zuhaus feiert es sich doch am schönsten

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Endspiel zur Deutschen B-Juniorinnen-Meisterschaft am 18.6.2016 in Ludwigsfelde von Micha
1.FFC Turbine Potsdam – FSV Gütersloh 2009 4:2

Man, war das wieder ein Endspiel ! 30 Mannschaften nahmen zu Saisonbeginn den Kampf auf, und nur der
FSV Gütersloh und unsere U17-Turbinen erwiesen sich als würdig, das Endspiel zu bestreiten. Und es wurde das von mir erwartete schwere, spannende und auch packende Spiel. Die Gäste vom FSV zwangen unsere Mädels, sich die Meisterschale im wahrsten Sinne des Wortes zu „verdienen“ ! Nach dem Spiel waren deren Mädels und Anhang für solche Komplimente logischerweise nicht empfänglich. Aber jetzt, mit ein bisschen Abstand, macht es sie sicher auch ein bisschen stolz. Das Spiel fand in Ludwigsfelde statt, weil in der Waldstadt die nötige Infrastruktur fehlt. Das mag für’s Stadion stimmen. Aber zur Infrastruktur zählt auch die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zur Waldstadt kommt man alle 10 – 20 Minuten mit Bus und Tram. Am Spielort fuhr alle zwei Stunden mal ein Bus, der meilenweit vom Stadion hielt. Zum Stadion selbst fuhr Nichts. Es ist für gehbehinderte Zuschauer wie mich absolut kein Vergnügen, vom Bahnhof zum Stadion 50 Minuten Fußmarsch zu absolvieren. Daran sollte der DFB beim nächsten Mal denken !
Beide Teams hielten sich mit Spielbeginn nicht lange beim Vorgeplänkel auf, sondern kamen gleich zur Sache. Mit dem ersten Flankenlauf nach zwei Minuten provozierte Pitti fast ein Eigentor der Gäste. Bei der anschließenden Ecke prüfte Gina mit dem zweiten Ball die Keeperin. ich war heute gespannt, wie sich unsere Abwehr präsentiert. In der 3. Minute konnte Grace einen Gästeangriff entscheidend stören. In der 7, jedoch kam der FSV über rechts, flankte in den 16er, wo sich Lätti und Marie uneins waren und die Gäste nutzten das
aus – 0:1. Nun, es freute mich zu sehen, wie sich unsere Abwehr mit Marie, Sarah, Grace, Lätti und Lea anschließend im Spielverlauf steigerte und insbesondere Lätti eine saustarke Partie bot. Nach dem 0:1 hielten sich unsere Mädels nicht lange beim schockiert sein auf, und schon im Gegenangriff bot sich Tabbi eine Chance. Aber die Gäste wollten nachlegen und bei einem FSV-Freistoß bekam Marie Gott sei Dank noch eine Hand dran. In der 15. Minute baute Lea von hinten einen Angriff auf. Der Ball lief dann über Pitti und Tabbi zu Mille. Da war die Keeperin schon ausgespielt und Mille brauchte mit dem Fuß dem Ball nur noch die entscheidende Richtungsänderung zu geben und der trudelte zum 1:1 ins Netz. Nun entwickelte sich ein Spiel zwischen den 16ern mit vielen Zweikämpfen. Das lag auch an den nun stabil stehenden Abwehrreihen beiderseits. Nach 28 Minuten ergab sich für Anna eine Schußchance. aber der Ball ging ca ein Meter drüber. Die Turbinen waren aus meiner Sicht jetzt optisch präsenter. Aber das muß ja nix heißen, denn in der 32. mußten Lätti und Grace gemeinsam ihr ganzes Können aufbieten, um einen Gegenangriff abzublocken. In der 36. zeigte sich, was „Druck ausüben“ heißt: die FSV-Keeperin bekam einen Rückpass zugespielt und Pitti roch den Braten. In dem Moment wollten zwei Abwehrspielerinnen der Keeperin helfen, stellten ihr aber die Schußbahn zu. So mußte die arme Torfrau den Ball auf gut Glück irgendwie wegschießen. Pitti erfaßte die Situation am schnellsten, schnappte sich den Ball, umkurvte die Keeperin und schob zum umjubelten 2:1 ein. In der Schlußminute der ersten Hälfte kam Gina nochmal über links. Ihre genaue Flanke erreichte Anna’s Kopf, die am 5-Meterraum stehend versuchte, den Ball ins lange Eck zu köpfen. Aber leider waren die Arme der Keeperin zu lang. Eine spannende erste Hälfte war zu Ende und Dexi brachte es genau auf den Punkt:“Das Ding ist noch lang nicht durch !“
Er hatte Recht, denn in den ersten 5 Minuten biss sich der FSV in Turbines Hälfte fest und drängte auf den schnellen Ausgleich. Dann konnten sich unsere Mädels langsam spielerisch aus der Umklammerung lösen. Es gab eine schöne Kombination mit Gina, Anna und Mille sowie einen Mille-Schuß am 16er. Gütersloh’s Keeperin bekam zu tun. Eine Ecke von Gina verlängerte Sarah per Kopf zu Anna, deren Drehschuß strich knapp über’s Tor. Von Caro gab’s eine tolle Balleroberung zu sehen. Sie ging ein paar Meter, aber anstatt selbst zu
schießen, passte sie zu Mille – da war dann die Torfrau im Weg. So um die 60. Minute erhöhten die Gäste den Druck, aber unsere Abwehr stand ! Lätti spielte hier so eine Art Libero und hatte ein paar saustarke Szenen. Aber an dieser Stelle mal ein Lob für die Defensivarbeit des gesamten Teams. Neben unseren Abwehrmädels fielen mir da Tabbi und Pitti besonders auf. In einem Moment vorn aktiv, im nächsten Moment hinten aushelfend. Da gehörte verdammt viel Laufarbeit dazu. Wie auch in der 63. Minute: Mille marschierte nach einem Einwurf bis zur Grundlinie. Sie bediente Caro, die Gina schußbereit stehen sah – 3:1. Für Gina sicher ein besonderes Tor, war es heute doch irgendwie IHR Tag. Aber dazu später mehr. Mein Nebenmann meinte nach dem 3:1: „Der Drops müßte gelutscht sein“. Ich sagte nur“ Abwarten“. Ein Gegentor würde die Sache wieder spannend machen. Und so kam es auch: In der 75. Minute mußte Lätti im letzten Moment retten. Noch in der selben Minute hatte der FSV rechts am 16er Freistoß. Der Ball kam auf den langen Pfosten, wo Marie versuchte, den Ball abzufangen. Umringt von einer Gästespielertraube wurde sie nicht nur weggedrängt, sondern auch zu Fall gebracht. Das nutzten die Gäste zum 2:3-Anschlußtreffer aus. Nicht nur ich war der Meinung: es war ein Foul und das Tor somit irregulär. Aber was soll’s? Die Schiedsrichterin zeigte zum Mittelkreis. Darauf angesprochen, meinte Lätti nach dem Spiel selbstkritisch zu mir: „wir hätten nur ein, zwei Schritte nach vorn machen müssen, dann hätte der FSV abseits gestanden.“ So gab’s also eine spannende Schlußphase. Aber unsere Mädels konnten mit diesem Druck umgehen. In der 1. Minute der Nachspielzeit setzte Mille zum Konter an, spielte mit Aida Doppelpass und machte mit dem 4:2 alles klar. Jetzt war der Drops gelutscht, auch wenn Marie eine Minute später nochmal eingreifen mußte.
Und dann war Schluß ! Man, tat es gut, nach dieser Saison trotzdem sagen zu können:“Wir sind Deutscher Meister“ ! Auf dem Platz gab’s die üblichen Szenen: Hier grenzenloser Jubel – dort tiefe Traurigkeit. Meine ganz persönliche Meinung: Egal, ob das zweite FSV-Tor berechtigt war oder nicht, ein eventuelles 4:1 wäre den Gästen nicht gerecht geworden. Sie waren der erwartet starke Gegner. So erhielten sie bei der Siegerehrung auch völlig zu Recht und verdient einen kräftigen Applaus aus dem Turbineblock.
Natürlich gibt es rund um solch ein Finale Einiges zu erzählen. Es war die insgesamt 11. Deutsche Meisterschaft für unsere U17. Das heißt auch: Wir sind Rekordmeister ! Auch Trainer Sven Weigang kann sich immer noch richtig über einen Titel freuen. Erst Recht nach solch einer turbulenten Saison, als die Mädels ein paar mal „weg vom Fenster“ waren, dann aber im Gegensatz zur Konkurrenz dem Druck auch gewachsen waren. Sven hat die U17 in der Winterpause 2008/09 übernommen. Nur 2013 hat er es geschafft, die Mannschaft NICHT ins Endspiel zu führen. Das macht dann unter seiner Regie 7 Endspiele, von denen 5 gewonnen wurden. Nicht umsonst sprach U17-Natiotrainerin Anouschka Bernhard im Halbzeitinterview von einer geballten Ladung Erfahrung auf Turbine’s Trainerbank. Gern denk ich auch an seine erste Meisterschaft 2009 in Duisburg. Zwei Wochen nach der 0:7-Pokalniederlage unserer Frauen gegen Duisburg und eine Woche nach dieser legendären Meisterschaft mit einem Tor Vorsprung fand dann in Duisburg eine kleine Pokalrevanche statt. Das Spiel gewannen unsere Mädels im 11m-Schießen. Daß Felix Sarholz dort ihren Ruf als Elfmeterheldin begründete, sei auch erwähnt.
2014 kam ich mit Brandenburg’s U15 an jenem Stadion vorbei, nachdem sie unsere U17 im Halbfinale beim Final Four in Essen anfeuerte und zurück nach Wedau zum Länderpokal fuhr. Einer klein gewachsenen Spielerin erzählte ich damals von 2009. Den Namen dieser Spielerin kennt heute jeder: Gina Chmielinski !
Warum war es also heute IHR Tag? Das Endspiel wurde vom Ludwigsfelder FC ausgerichtet. Gina kommt aus Ludwigsfelde und begann beim LFC mit dem Kicken. Und nun durfte sie in ihrem „Heimatstadion“ als Kapitänin unsere U17 aufs Feld führen. Mit ihrem Tor zum 3:1 schuf sie eine kleine Vorentscheidung. Na, und dann durfte sie als Erste die Meisterschale in die Luft stemmen ! Ich glaube, das war für sie der schönste Moment in ihrer Karriere. Und das in ihrer Heimatstadt !! Man sah bei unseren Mädels nur strahlende Gesichter. Aber bei Gina war es Freude pur. Sie strahlte mit der Sonne um die Wette. Natürlich ist man in Ludwigsfelde stolz auf sie, was der Stadionsprecher auch sehr deutlich zum Ausdruck brachte.

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Gina präsentiert die Schale

Und Eine strahlte genauso über das ganze Gesicht: Bettina Stoof ! Sie vertrat wie schon in den Spielen gegen Hoffenheim die beruflich verhinderte Joschi Schlanke. Im Team unserer U17 standen mit Mille und Grace zwei Mädels, die Bettina in der Waldstadt „aufzog“. Mille begann 2007 in unserer F-Jugend, Grace begann 2009 bei den E-Mädchen. Und nun sind sie zum zweiten Mal in Folge Deutscher Meister ! Klar, daß Bettina mächtig stolz auf sie ist. Aber Mille und Grace sind ja nicht die Ersten: Bettina trainierte bzw. betreute schon Felix Sarholz, Jenny Cramer, Feli Rauch, Laura Lindner, Tabbi Kemme, Victoria Krug, Torri Schwalm, Vanessa Fischer und, und, und… Daran sieht man, wie wichtig sie und ihr Trainerteam für unseren Verein sind. In der Waldstadt trainieren zur Zeit etwa 160 Mädchen und junge Damen. Ich frage mich oft, wie sie das Alles organisatorisch unter einen Hut kriegt. Aber sie lebt einfach für den Fußball, und besonders für die Jüngsten. Nicht umsonst nenn‘ ich sie gern „Mutti der Waldstadt“. Da kommt es z.b. auch mal vor, daß eine Spielerin bei Bettina übernachtet, wenn es die Eltern beruflich oder zeitlich nicht schaffen, ihr Mädel zum Spiel zu bringen. Ja, wir alle im Verein sollten froh sein, daß wir Bettina haben. Auch aus diesem Grund ist sie ja Ehrenmitglied in unserem Fanclub !
Zum Schluß darf natürlich die Aufstellung nicht fehlen. Auch jetzt bin ich wieder der Meinung: jede Spielerin, Trainer und Betreuer, egal wie lange sie zum Team gehörten, hat seinen Anteil an dieser Meisterschaft und gehört mit auf die Liste. Neben Trainer Sven Weigang und Co-Trainerin Josephine „Joschi“ Schlanke gehörten so zum Funktionsteam die Physio’s Norman Helm und Paul Klöpper und als Betreuer Dirk van der Koelen und Bettina Stoof. Zu unserem Meisterteam gehörten bzw. gehörten Isabelle „Bella“ Spolaczyk,
Anne-Sophie Gleisberg, Marie Heinze, Laura Flügge, Sarah Scheel, Grace Lehwald, Lea Gammelin, Caroline „Caro“ Siems, Marlene Müller, Anna-Sophie „Anna“ Frehse, Lea „Pitti“ Nitschke, Denise Simon, Franziska „Franzi“ Trenz, Tabea „Tabbi“ Schütt, Lätizia „Lätti“ Radloff, Aida Kardovic, Charlott Conrad, Laura Kellner, Maria Prica, Melissa „Mille“ Kössler sowie Kapitänin Gina Chmielinski.

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UFTA, UFTA

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