„Spiele könnt ihr verlieren, aber niemals unsere Herzen!“ – Von Micha

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Final-Four-Endrunde zur Deutschen B-Juniorinnen-Meisterschaft 30./31.05.2014 in EssenI

 

Zunächst noch einmal ein ganz dickes „Danke“ an unsere Mädels, die durch einen Griff in die Mannschaftskasse es mir erst möglich machten, dabei zu sein. So kratzte ich im wahrsten Sinne des Wortes meine letzten Groschen zusammen. Jetzt nach Saisonabschluss kann ich nach 20 Spielen sagen: „Die Mädels waren jeden Cent wert!“ Soviel Dankbarkeit zu spüren, tut gut. Ein Lob gilt auch dem Stadionsprecher und den Ordnungskräften. Der Stadionsprecher stellte die Mannschaften vor, erwähnte die Saisonbilanz und verwies auf bisherige Erfolge. Dass er bei „seinen“ Essener Mädels euphorischer klang, sei ihm als Gastgeber gestattet. Ansonsten verhielt er sich sportlich neutral. Die Ordner hielten sich bewußt zurück, waren kaum zu bemerken. So konnte sich im Stadion eine entsprechende Atmosphäre entwickeln.

Im ersten Turnierspiel mussten unsere Turbinen gegen die SGS Essen ran. Zur Unterstützung unserer Mädels erschien Brandenburgs U14-Auswahl (fast alles Turbinen), die zum Länderpokal in Duisburg waren. Vor dem Spiel gab es eine Premiere: Vor dem eigentlichen Kreis kreierte sich das gesammte Team im Kreis auf dem Rasen und sprach ein „Gebet“. Das machte im Stadion Eindruck und zeigte auch, welch eingeschworene Gemeinschaft in dieser Saison auf dem Platz stand.

Die ersten zehn Minuten waren gekennzeichnet von Nervosität, trotzdem hatten beide Teams erste gute Chancen. Dann legten beide Teams die Nervosität ab. Turbine ging früh drauf, die SGS doppelte oft. So neutralisierten sich beide Teams. So ab der 20. Minute hatten unsere Mädels mehr Ballbesitz, die SGS zwei dicke Konterchancen. Dann aber nach 28 Minuten schickte Hippo einen langen Pass in die Spitze auf Aline. Die spielte sich herrlich frei und mit einem Schuss halbhoch ins lange Eck erzielte sie das 1:0 – ein herrliches Tor. Turbine versuchte nachzulegen und hatte nach 34 Minuten die nächste Chance nach einem schönen Doppelpass zwischen Doro und Aline. Die Keeperin lenkte zur Ecke. Turbine wurde nun deutlich überlegen und die SGS gefiel durch schnelles Konterspiel. Jedoch übersahen die Essener oft ihre freistehenden Flügelleute und versuchten es durch die Mitte. So blieben sie ziemlich harmlos und es ging mit 1:0 in die Pause.

Die zweiten 40 Minuten zeigten zunächst wieder Kampf im Mittelfeld. Die beste Chance hatte zunächst Doro, als sie nach Pass von Isy Essens Keeperin zur Glanzparade zwang. Es schloss sich eine Phase an, in der die SGS besser ins Spiel kam und 2x Vanessa prüfte, Im Vorwärtsgang gab es bei Turbine zunehmend Ballverluste, das Spiel drohte zu kippen. Und genau in dieser Phase setzte sich Hippo in der 63. Minute durch und erkämpfte eine Ecke. Von Katja getreten kam der Ball in den 16er. Im Gewimmel holte Doro den Ball, schob ihn zu Hippo, die dann mit dem dritten Ball auf 2:0 erhöhte. Von diesem Rückschlag erholte sich die SGS nicht mehr. Zu allem Überfluß schaltete sich in dem Moment als Essen anstossen wollte die Rasensprenganlage in Turbines Hälfte ein. Unsere Mädels fanden es toll, erklärten sie auf Nachfrage. Nun hatte Turbine das Spiel im Griff und Elli hätte noch erhöhen können. Den 3:0-Endstand stellte dann Doro in der Nachspielzeit her und unsere Mädels zogen sicher ins Finale ein!

Im zweiten Halbfinale setzte sich dann Titelverteidiger FC Bayern München mit 1:0 gegen den FSV Güterloh durch und so lautete das Endspiel wie ein Jahr zuvor schon: Turbine Potsdam gegen Bayern München.

Ich habe lange überlegt, was ich über dieses Spiel schreibe. Es treibt mir jetzt noch die Tränen in die Augen. Zunächst war der Titelverteidiger spielerische eine einzige Enttäuschung. Ganze drei Torchancen standen für sie in der ersten Hälfte zu Buche. Alle wurden von Vanessa sicher entschärft. Aufbauend auf eine sichere Deckung entfachten die Turbinen ein Feuerwerk, dass es eine Freude war zuzusehen. Da hatte das Funktionsteam im Vorfeld ganze Arbeit geleistet; das Halbfinale vom letzten Jahr spielte keine Rolle mehr. Kurz – das Spiel gehört zu den Top-5-Spielen, die ich je von Turbineteams sah. Unsere Mädels gingen früh drauf und ließen die Bayern so gar nicht erst zur Entfaltung kommen. Und wenn sie doch mal durchkamen, bewiesen Vanessa, Jil, Vicky, Milena und Rosie warum unsere U17 in bis dato 19 Saisonspielen ungeschlagen blieb. Von Annika Krug geführt war die Offensive – speziell die drei Spitzen – von den Bayern überhaupt nicht in den Griff zu bekommen. So gab es herrliche Spielzüge und tolle Torchancen zu sehen. Einziges Manko: Es fielen keine Tore.

Ich bin eigentlich ein Freund des FC Bayern-Frauenfußballes und schätze Thomas Wörle als Trainer und Mensch sehr. Wer meine Berichte kennt, der weiß, dass ich auch bemüht bin, die Leistung der Gegner anzuerkennen, wenn sie eben besser waren, kann ich es akzeptieren. Jeglichen Respekt verlieren jedoch Mannschaften, die das Fußballfeld mit der Schauspielerei verwechseln. Das die häßlichen Auswüchse des Männerfußballes den Frauenfußball längst erreicht haben ist bekannt. Das es aber ausgerechnet der FC Bayern München mit seinen B-Mädels dazugehört, ist nur noch enttäuschend. Das Schlimme dabei ist: Der DFB schaut tatenlos zu und tut nichts dagegen.

Und damit wären wir beim Thema Schiri: Im Halbfinalspiel gegen die SGS bot das Schiedsrichtergespann eine souveräne und fast fehlerfreie Leistung, während die Spielleiterin beim Finale in der ersten Hälfte die Schauspielerei des Titelverteidigers noch durchschaute, verlor sie in der zweiten Hälfte immer mehr den Blick dafür.

Nach dem Rosi mit einem tollen Solo glänzte und Vanessa ene tolle Parade zeigte, kam die 46. Minute. Klar, die Bayern wollten besser ins Spiel kommen. Der FCB lag im Angriff, kam über rechts. Jil ging hin. Und als ob die Bayern-Spielerin darauf gewartet hat, hob sie erst ab, lag waagerecht in der Luft und erst dann (!!!) erfolgte Körperkontakt mit Jil. Die Schiedsrichterin pfiff sofort und gab Jil das zweite Gelb; also Gelb-Rot. Sie kann also nicht behaupten, sie hätte es nicht genau gesehen. Selbst die zwei Meter danebenstehende Assistentin reagierte auf diese eingesprungene Schwalbe nicht. Und wieder einmal muß sich der DFB den Vorwurf gefallen lassen, nicht in der Lage zu sein, Schiris einzusetzen, die der Aufgabe „Endspiel“ gewachsen sind. Jeder hat die Schwalbe gesehen, nur die Schiris nicht. Zu allem Überfluss verletzte sich die Bayern-Spielerin dabei schwer und mußte mit der Trage vom Platz getragen werden. Trotzdem an dieser Stelle „Gute Besserung“. Natürlich griff die Schiedsrichterin mit Gelb/Rot ins Spielgeschehen ein. Zunächst hatte Doro eine Chance. Aber in der 51. Minute hatte der FCB Freistoss und der Ball fand den Weg ins Tor – 0:1. Trotzdem blieben die  Turbinen auch in Unterzahl spielbestimmend. Doro war bei ihren Dribblings nie vom Ball zu trennen. Unsere Mädels hatten weiterhin Chancen. Aber durch die nun längeren Laufwege fehlte unseren Mädels mitunter die Kraft beim Abschluss. Aber selbst jetzt bis zum Abpfiff kam Bayern nur noch zu drei Chancen; die beste nach einer Ecke, als Monique den Ball von der Linie kratzte. Dann war Schluss.

Klar, Fußball wird durch Tore entschieden, eine B-Note gibt es nicht. Wer mich jetzt einen schlechten Verlierer nennen möchte, soll er doch! Na und? Wenn die Bayern schon schauspielerische Mittel brauchen… Wenn der DFB bei diesen Schauspielereien weiter tatenlos zuschaut, gibt es Frauenfußball bald nur noch im Theater oder Kino. Ich bleibe jedenfalls dabei: Unsere Turbinen waren die klar bessere Mannschaft und wurden noch klarer benachteiligt. Da wundert es dann auch nicht, dass das Schirigespann bei der Siegerehrung mit einem Pfeifkonzert bedacht wurde.

Wie es nach dem Schlusspfiff unseren Mädels ging, brauche ich wohl niemandem zu sagen. Dem Funktionsteam, den Eltern und Angehörigen und letztendlich mir selbst ging es ja nicht anders. Für mich war das schlimmste: Ich konnte nicht aufs Spielfeld und die Mädels in den Arm nehmen. So mußte ich allein mit mir klarkommen. Ach, was hätte ich ihnen auch in diesem Moment sagen sollen? Da kann man nichts sagen. Selbst der sonst immer so kritische Dirk war am Boden, hatte er doch immer betont, welch tolle Truppe wir da haben. Als die ersten Tränen getrocknet waren, sagte ich den Mädels nur: „Ihr habt euch überhaupt Nichts vorzuwerfen!“

Was zeichn ete dieses Team  nun aus? Es war dieser unbedingte Zusammenhalt. Da begannen Inga, Monique und Charlie zum Beispiel die Saison in der Startelf, weil einige Leistungsträger fehlten. Als sie wieder auf der Bank Platz nehmen mußten, sah ich nie lange Gesichter oder hörte nie ein Murren. Sicher, jede hätte lieber gespielt und wer weiß, vielleicht wollte die Eine oder Andere die Brocken auch mal hinschmeissen. Aber jede stellte sich in den Dienst der Mannschaft und war da, wenn sie gebraucht wurde. Wenn bei mir auf Arbeit nur halb so viel Teamgeist herrschen würde wie in dieser Mannschaft, hätte ich an meiner Arbeit auch wieder meinen Spaß. Ich bekam im Laufe der Saison auch mit, dass die Mädels auch abseits von Schule und Fußball freundschaftlich verbunden waren.

Annika als Kapitänin hielt den Laden zusammen. Wie sie dieses Amt aqusführte, beeindruckte mich doch sehr. Trainer Sven Weigang und Betreuer Dirk van der Koelen kenne ich nun schon seit Jahren. Die Zusammenarbeit klappte. Ich hatte Saison sehr interessante Gespräche mit Beiden, in deren Folge ich lernte, beim Spiel genauer hinzusehen bzw. auch hinter die Kulissen zu schauen. Als absoluter Gewinn erwies sich auch der Einstieg von Josephine „Joschi“ Schlanke. Ich hatte das Gefühl, da kam frischer Wind und, naja, die Mädels hatten jemand für die Gespräche von „Frau zu Frau“. Sicher half auch, dass ein Großteil der Mädels aus der letztjährigen U15 I stammt und somit schon ein Team war. So kenne ich auch einen Teil der Mädels schon seit einigen Jahren. Auch da haben sich Bindungen entwickelt. In meinem Umfeld werden sie auch meine „Patenkinder“ oder „Adoptivtöchter“ genannt. Nun, Kinder sind sie nicht mehr. Diese jungen Erwachsenen sind mir doch sehr ans Herz gewachsen. Und dass ich ihnen auch wichtig bin und sie mir dankbar sind, haben sie mir oft genug gezeigt. Wie schon gesagt: „Ohne sie wäre ich nicht in Essen dabei gewesen.“

Da versteht wohl jeder, dass mir das Ende in Essen so richtig an die Nieren ging. Aber siehe Überschrift! Man schimpft heute oft „Die Jugend hätte nur Party im Kopf“. Sicher, es ist nicht zu übersehen, dass auch diese Mädels zur Generation „I-Phone“ gehören. Aber wenn ich von ihrem Teamgeist rede, heißt das ja auch, sie wissen was Verantwortung heißt. Eben „Eine für Alle – Alle für Eine“. Zum Thema „Teamgeist“ hätten diese Mädels auch einen Lehrfilm drehen können. Deshalb lasse ich auf diese Mädels auch überhaupt nichts kommen. Sie haben meinen vollen Respekt genauso wie unsere Titelhamster von der B II. Beide Teams sind für mich etwas Besonderes (!). Ich werde mich immer an eine geile Saison erinnern.

Und da wären wir bei der Bilanz: Es ist schon irgendwie tragisch, wenn sie von 20 Spielen 16 gewinnen (davon die drei wichtigsten gegen Bremen und Essen mit einem Torverhältnis von 8:0!), 3x Remis spielen und erst das letzte, entscheidende Spiel verlieren. Eigentlich eine tolle Bilanz. Und wie sehr hätte ich diesen tollen Mädels die Krone gegönnt. Sie sind ja auch chaakterlich tolle junge Menschen. Bis auf Milena, die den Leistungssport aufgibt und sich auf die Schule konzentriert, bleiben alle Mädels Turbine erhalten. Es würde mich doch sehr wundern, wenn nicht die Eine oder Andere den Sprung ganz nach oben schafft. Ehrlich, mein Herz wünscht sich Alle dort wieder zu sehen.

 

Aber nun ist erst einmal eine tolle Saison vorbei, für die wir uns mit Stolz bedanken sollten bei:

Vanessa Fischer, Inga Schuldt, Paige Lebel, Anna-Sophia Frehse, Tina Wintmölle, Jil Albert, Victoria Krug, Rosalie May, Katja Friedl, Milena Enge, Annika Hofmann (Spielführerin, Jenny „Hippo“ Hipp (stellvertretende Spielführerin), Isabelle Möller, Aline Reinkober, Dorothea Greulich, Victoria „Torry“ Schwalm, Elisa Emini, Charlene Nowotny, Monique Gramsch, Anny Hörnke, Annalena Kaplinski sowie dem Funktionsteam Sven Weigang, Josephine „Joschi“ Schlanke und Dirk van der Koelen.

Milena wünschen wir an dieser Stelle für ihren weiteren Weg alles Gute und den Anderen  „Bis bald!“ (Nachtrag von Tom: Wir wünschen natürlich auch eine schöne USA-Rreise und kommt gesund wieder zurück!)

 

Nochmal zu den Bayern: Ich bin weit entfernt davon den Mädels zu unterstellen, sie hätten immer so gespielt. Ich war nur über ihren Auftritt etwas enttäuscht. Aber auch sie mußten sich ja fürs Finale qualifizieren. Im Interesse der guten Beziehungen zwischen Bayern und Turbine hoffe ich doch, so etwas nie wieder sehen zu müssen. Das haben sie einfach nicht nötig. Also auch von mir: Herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft.

 

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Links: Die Mannschaftsaufstellung beim Finale in Essen

Rechts: Auch der Busfahrer Thomas wird geehrt und erhält seine Medaille…

 

Beide Fotos: Thomas Wimmer