Hoffi – Hoffnung – Hoffenheim

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„Hoffi“ ist ein Elch. Er ist das Hoffenheimer Maskottchen, das die Potsdamer Fanbusbesatzung nach 9-stündiger Anreise im heimischen Stadion empfing. „Hoffi“ ist genauso groß wie Turbinchen, aber agiert nicht so amüsant und gestikulierend wie das „Turbinchen“. Kurzum: Das „Turbinchen“ ist und bleibt trotz der elchenhaften Bemühungen das beste Maskottchen der Liga.
Dagegen bieten die „achtzehn99er“ vermutlich die freundlichsten Eintrittspreise der Liga, denn für nur 5€ (Sitzplatz) bzw. 2€ (Stehplatz) war der Fußballspaß vor Ort zu haben. Ebenso freundlich erwies sich die Moderation des Hoffenheimer Stadionsprechers, der auf herzliche Art und Weise das Spiel begleitete und sich am Ende des Spiels bei den fairen Potsdamer Fans bedankte. Auch zeugte die Wortwahl im kostenlosen Stadionheft von einer angenehmen Gastfreundschaft und unsere Ex-Turbine durfte in diesem Heft als Covergirl fungieren und in einem umfangreichen Interview ihre Gedanken zur anstehenden Spielbegegnung zwischen dem Tabellenvierten und Tabellensechsten äußern.

Insgesamt erwartete die Potsdamer Fangemeinde ein Wohlfühl-Stadion, das für den Frauenfußball absolut geeignet erschien. Ein überschaubares Stadion, auf einem Berg liegend, der diesmal per Bus bezwungen werden durfte. Aufgeklärte TP-Fans, die in der letzten Saison bereits diesen Spielort kennengelernt hatten, brauchten somit ihre vorsorglich eingepackten Gummistiefel für die erwartete matschige Bergbesteigung nicht überstülpen.

Und was gab es hinter den Kulissen noch zu entdecken?

  • Hygienische Sanitäranlagen mit fließend warmen Wasser für eiskalte Hände sowie junge Herren, die halbe Liter Glühwein in müllvermeidenden Pfandbechern ausschenkten und „rote Würste“ verkauften.
  • Dazu nette Ordner, die auf eine platzverweisende Fanblockreservierung in Eckfahnen-Nähe verzichteten und vom Winde verwehten Fanfahnen unaufgefordert retteten.
  • Gefüllt war das Stadion von insgesamt 875 Zuschauern, die ab und zu von einer gut trommelnden Hoffenheimer Jugendtruppe zum Applaudieren angehalten wurden. Dieser heimische Fanclub besaß übrigens eine ganz große Fahne, die vor Spielbeginn auf dem Rasen eifrig zu kampfliedartiger Heimatmusik geschwungen wurde und deren Anblick durchaus Neid hätte auslösen können – hätte sich Frau Neid nicht bereits persönlich unter die Zuschauer gesellt.
    Interessiert und entspannt zeigte sich das „Hoffe“-FF-Publikum, nur die Namen ihrer Spielerinnen muss es noch auswendig lernen.
  • Der Beauftragte für die Hoffenheimer Frauenfußballabteilung trägt übrigens den Namen „Zwanziger“ – Ähnlichkeiten mit Fußballgrößen namens Theo sind hier rein un-zufällig. Es handelt sich um dessen Sohn.

Nun zum „Spiel der Wahrheit“, so der Arbeitstitel, der vom Potsdamer Verein bekanntgegeben wurde. In voller Erwartung und auch aufgrund der positiven Grundstimmung vor Ort schwoll mit Anpfiff ein lautstarker Fangesangs-Reigen an, der das sämtliche Repertoire innerhalb der ersten 10 Minuten abspulte und sich spätestens mit dem 23. Stockfehler auf Potsdamer Seite ausdünnisierte. Die erste Halbzeit war von einer zerfahrenen Spielweise und fehlender Strategie gekennzeichnet. Aufziehender Naturnebel versuchte die Hektik auf dem Spielfeld zu überdecken und Nieselregen die Fanlaune gutmütig zu berieseln. Hoffenheim gewann an Selbstvertrauen und die TP-Fans begannen sich zu fragen, welchen Sinn ihre 9-stündigen Anreise gemacht habe.
Der Halbzeitpfiff erlöste nicht nur die Fans, sondern auch die spielenden Turbinen, insbesondere Petersen und Andonova, die ausgewechselt wurden (letztere aus Krankheitsgründen). Der Spielstand, aber noch viel mehr die grottenschlechte Spielweise der geliebten Turbinen ermutigte einige fußballkennende Lokalgrößen, übers Stadionmikrofon Tipps zum Spielausgang mutig zu offenbaren. „Wenn die Hoffenheimer Mädels so gut weiterspielen, dann…ja, dann würde das Spiel sicherlich mit einem 2:0-Sieg ausgehen.“

Nein, bitte nicht schon wieder von den mitgereisten, schlafdefizitären Fans den Galgenhumor abverlangen, der in Frankfurt zuletzt Hochkonjunktur hatte! Kann man eigentlich nicht das Wort „Hoffnung“ von „Hoffenheim“ ableiten? Und die stirbt doch bekanntlich zuletzt…

Anpfiff zur 2.Halbzeit, verstärkt mit Lisa Evans und Feli Rauch, die beide vielleicht die Mannschaft zu einem Flügelspiel beflügeln könnten? — Und dann kam er, der Befreiungsschlag in der 57.Minute – ein wunderbarer, bogenförmiger Torschuss auf das linke obere Eck – von Tabbi! Also, Augen auf bei der Trikotwahl, liebe Fans;-)
Das kurz danach erzielte 2:0 erklärte die Schiedsrichterin zum Abseitstor, eine von den irritierten Fans eingeforderte Zeitlupe konnte aufgrund fehlender Kameras und Leinwand nicht eingespielt werden (haha).. Es war (wieder einmal) nicht die einzige fragwürdige Schiedsrichterentscheidung bei einem Frauenfußballspiel.
Was soll’s. Es gab ja noch Lisa Evans, die in ihrem zweiten Spieleinsatz zunehmend ihren Turboantrieb wiederfindet und in der 75. Minute zum schiedsrichterabgesegneten 2:0 einnetzte. Vorher gab es bereits einige sehenswerten Torchancen für die Turbinen, u.a. von Asano Nagasato im Alleingang.

Ohne Gegentor geht in dieser Saison gar nichts… In der Nachspielzeit traf das Covergirl des Stadionheftes, Kristin Demann, das gegnerische Tor. Während alle Turbine-Involvierten noch den Kopf schüttelten und die Hoffenheimer jubelten, machte sich Lisa Evans auf den Weg und sorgte Sekunden später für das abschließende 3:1. Lisa – wir, lieben dich!

Das „Spiel der Wahrheit“ bestätigte somit irgendwie doch noch die Hoffnung auf einen Saisonerfolg. Da die „Mitbewerber“ an diesem Spieltag allesamt erfolgreich waren, bleibt vorerst alles beim Alten, auch wenn die DFB-Berichterstattung den Frankfurtern kurz nach deren Schlusspfiff euphorisch zum neu errungenen 2.Platz euphorisch gratulierte. Was nicht alles eine Schlagzeile wert ist…

Lieber Fanbusbeauftragter Hartmut, diesmal bist du nicht schuld;-) Siege brauchen (leider) keine Schuldigen.

Liebe Hoffenheimer, wir freuen uns auf ein Wiedersehen in der nächsten Saison und wünschen euch bis dahin viel Erfolg..

Susanne Lepke