Gekämpft – geführt – ge…

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Spielbericht zum Bundesliga-Spiel 1. FFC Turbine Potsdam gegen TSG 1899 Hoffenheim

Das dritte G gab es an diesem Spieltag nicht mehr. Trotz frischer Stadionluft zog das politisch gewollte 2G-Prinzip ins Karli ein. Die Tausender-Grenze wurde dennoch überschritten, denn 1016 Zuschauer:innen wollten diese Begegnung in der oberen Tabellenhälfte live miterleben. Die Teilhabe einiger treuer Turbinefans, die teilweise Hunderte von Kilometern reisen, um die Turbinen anzufeuern, wurde nicht ermöglicht.

Die Leidenschaft für den Frauenfußball hat in den letzten 50 Jahren, seit es den 1. FFC Turbine Potsdam gibt, viele Menschen mit verschiedenen Meinungen vereint. Man kennt sich in der Fanszene, hat gemeinsam gefeiert – sich gefreut – und gelitten. Es geht nicht nur um die Turbinefamilie, es geht um Menschenwürde.

„Schnitt“! Zum Spiel:

Tippspiel, crazy Donuts im Angebot, gesunde Säfte im Abgang, Halbzeitspiel, der Fanshop vor Ort – alles so wie immer…

Unsere Turbinen zeigten ihr bestes Spiel der Saison. Viele gaben mehr als einhundert Prozent, die Wahl des „Players of the match“ hätten diesmal mehrere Spielerinnen verdient. Am Ende wurde unsere Nr.14, Sophie Weidauer, geehrt.

Trotzdem wurde es nach dem Abpfiff bedrückend ruhig im Stadion. Sprachlose, kopfschüttelnde Fans und dazu Spielerinnen, die diesmal keine Kraft zum wellenartigen Dankeschön an ihre Zuschauer:innen hatten. Was war passiert?

Trauriger Applaus (Foto: sas)

Die erste Halbzeit

Es war ein atemberaubendes Spiel! Spannend, energiegeladen, euphorisch, kämpferisch und teilweise frech. Die Turbinen spielen selbstbewusst auf und zeigten eine geschlossene Mannschaftsleistung. Das akute Verletzungspech war eine Geschichte von gestern. Dem Gegner Hoffenheim sah man die schweren Beine aus dem vorangegangenen Championsleague-Spiel an, das wussten die Potsdamerinnen zu nutzen. Fehler im Spielaufbau der Kraichgauerinnen wurden souverän ausgenutzt, um bereits in der 8. Minute in Führung zu gehen – Cerci sei Dank. Nur sechs Minuten später erhöhte Kössler zum 2:0. Ab ging die Party! Die Blockfahne wurde ausgerollt und wieder eingerollt, um danach wieder ausgerollt zu werden. Der einsame Trommler aus Hoffenheim stand kurz vor der Resignation, lebte aber mutig weiter. Respekt für das von weither angereiste Fangrüppchen aus dem Kraichgau! Potsdam ist immer eine Reise wert, nicht nur wegen des gel(i)ebten Frauenfußballs im Karli.

Es machte heute einfach Spaß, die Mannschaft anzufeuern, denn diese hatte heute ebenso Spaß am Fußballspielen, noch dazu Ideen und Wagemut. Die Kampfmoral stimmte – und der Halbzeitstand von 2:0 war logisch und verdient.

Die zweite Halbzeit

Hoffenheim musste wohl eine gezielte Ansage in der Mannschafskabine erhalten haben, denn die Mädels kehrten nicht nur überpünktlich aus der Kabine zurück, sondern lieferten bereits in der ersten Minute der zweiten Halbzeit die unmittelbare Antwort. Es war ein sehenswertes Tor, das Steinert als Anschlusstreffer zelebrierte.  In der 70. Minute fiel den Turbinen eine Antwort ein. Nach einem Querpass von Kössler, die selbst in schusssicherer Position auflief, netzte Cerci zum 3:1 ein. Holla die Waldfee – was ging hier ab?! Die Stimmung im Stadion war kurz vorm Kollabieren. Unsere Mannschaft erstrahlte wie lange nicht mehr, der graue Novemberdunst war wie weggeblasen.

Die Spielzüge wurden in der zweiten Halbzeit jedoch hektischer. Zahlreiche Auswechslungen auf beiden Seiten brachten zusätzliche Neumischungen im Getriebe und gelbe Karten wurden gesammelt. Der fulminante Sieg über die TSG erschien mit jeder abgelaufenen Minute zum Greifen nahe. Der zweite Tabellenplatz lockte. Die Überraschung schien absolut gelungen.

Die Spannung steigerte sich in der 84. Minute, als Hoffenheim der nächste Anschlusstreffer zum 3:2 gelang. Gnadenlos schleppend moserte der Minutenzeiger auf der Stadionuhr vor sich hin. In der 90. Minute des hart umkämpften Matches folgte dann eine zentrale Freistoßmöglichkeit für Hoffenheim. Der Rasierschaum wartete auf die geordnete Mauer, alles war hergerichtet. Unsere Torfrau Vanessa kannte kein Halten mehr und verließ ihr Torgehäuse, um dem Geschehen entgegenzulaufen. Warum?

Weiß keine:r…

3:3, daran konnten auch die drei Nachspielminuten nichts rütteln.

Stille im Stadion, Kopfschütteln, Wehmut, begrabene Euphorie. Wie oft wurden wir in den letzten Spielen mit Fortuna gesegnet… Nun fehlte das Glück – und dieses gewonnene Pünktchen fühlte sich wie eine Niederlage an. Gekämpft – geführt – gelitten. Das dritte G hielt Einzug, aber das gibt es aktuell nicht mehr.

Ausblick

Es war ein sehenswertes Spiel, was Hoffnung gibt und Mut macht, wenn man auf die nächsten Knaller bis zum Jahresende schaut: Frankfurt – München – Wolfsburg.

Danke, Mädels, für euren unermüdlichen Kampf oberhalb der 100%, für die sehenswerten Spielzüge, für euren Mannschaftsgeist und eure Spielfreude. Mögen wir Fans nochmals in solch einen fieberhaften Beobachtungsgenuss kommen.

Ein Wort zur Absage der Mitgliederversammlung des Fanclubs „Turbinefans e.V.“

Die Mitgliederversammlung des Fanclubs „Turbinefans“, die im Anschluss an das Spiel stattfinden sollte, wurde aufgrund der Corona-Maßnahmen kurzfristig abgesagt. Neben dem Gesundheitsschutz war auch das Ermöglichen einer politischen Teilhabe für alle Fanclub-Mitglieder ein Ansinnen des Vorstands. Auf der Mitgliederversammlung sollte ein neuer Vorstand gewählt werden – und niemand vom Mitwählen ausgeschlossen werden.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an all die Fans, die bei der Organisation des Spieltages mithalfen – als Ordner:innen, als Tipp-Spiel-Durchführende, als Saftverkäufer:innen. Danke!

…mit 1 Punkt fahren sie nach Haus – Foto(bea)

Fanbus nach Frankfurt

Am Freitag, dem 3. Dezember, rollt unser Fanbus nach Frankfurt. Es gibt noch freie Plätze. Wer Interesse hat, bitte an Hartmut Feike (Kontaktdaten siehe Homepage des 1. FFC Turbine Potsdam) wenden.

Text: Susanne Lepke

Fotos: Beatrice Martens, Saskia Nafe