Gedanken eines Turbinefans

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von Micha

Die Beiträge und Kommentare zum Jenaspiel sprechen mir voll aus dem Herzen. Ich habe vor dem Spiel bewusst Nichts gesagt, um nicht als Schwarzmaler dazustehen. Ich habe dann aber nach dem Spiel so Manschem gesagt, daß ich schon am Samstag nach dem U17-Spiel wußte, wie der Sonntag endet. Außer der Ersten waren 8 weitere Turbinemannschaften im Einsatz. Aus diesen 8 Spielen holten sie 24 Punkte. Jeder kann rechnen und weiß, was das heißt. Und jeder weiß auch, wie glücklich ich über jeden Sieg unserer Nachwuchsmannschaften bin. Aber es ist auch eine unumstößliche Tatsache: jedesmal,wenn ich dank unserer Nachwuchsmannschaften mit extrem guter Laune zu unserer Ersten fahre, reichen 90 Minuten und ich bin aggro drauf. Ich kann da nicht mehr an Zufall glauben. Über zwei Dinge nach dem Jenaspiel möchte ich hier erzählen: Nach dem Spiel wollte ich mir etwas Schönes antun und ging noch ’ne Bratwurst essen. Plötzlich stand Papa Schwalm neben mir und sagte: Laß dein Geld stecken! Ich kenne Torri’s Eltern seit sie bei Turbine ist. Ich hatte den Eindruck, Torri’s Vater war die Leistung der Mannschaft peinlich und er wollte Buße tun. Nun ja, auch wenn ich zu Torri und ihren Eltern ein herzliches Verhältnis habe, an Torri mach ich diese Niederlage nicht fest, sondern an ganz anderen Dingen. Um das zu erläutern, komme ich zu meinem zweiten Erlebnis: als unser Bus wieder Berliner Gebiet erreichte, erreichte mich eine SMS vom U11-Trainer Chris Helwig. Voller Stolz erzählte er mir, daß seine Mädels gegen die JUngs vom Teltower FV 2:0 zurücklagen, drei Minuten brauchten, um auszugleichen, um am Ende 4:2 zu siegen. In diesem Moment kochte in mir ob des in Jena Erlebten die Galle über. Es handelt sich hier nämlich um jene E-Mannschaft, die in ihrem zweiten Saisonspiel bei den Jungs von Fortuna Babelsberg gastierte und in den 2×25 Minuten in der 26. Minute das 1:9 hinnehmen musste. Ich schrieb damals in meinem Bericht: das Wort Aufgeben hat dieses Team nicht im Wortschatz. Sie rauften sich zusammen und brannten ein Feuerwerk ab, das man deutlich sehen konnte: ihre Gegner bekamen langsam Angst. Das Endergebnis lautete 7:12. Nun wißt ihr, was für eine Halbzeit ich erleben durfte. Das ist nur ein Beispiel dafür, aus welchem Holz der Turbinenachwuchs geschnitzt ist. Was hat nun diese E2? Es ist ganz einfach: Charakter und Kampfgeist. Was den Kampfgeist angeht, so hat unsere 1.Mannschaft diesen im Heimspiel gegen Frankfurt bewiesen, auch wenn das Spiel verloren ging. Aber wo war der Kampfgeist in Jena? Man kann doch von den Mädels verlangen, daß sie wenigstens um Ergebniskosmetik kämpfen. In den vorerwähnten Berichten und Kommentaren wurde der Gemütszustand der Fans deutlich beschrieben. Nun steht nicht nur das Spiel in Köln an, sondern das letzte Heimspiel gegen Wolfsburg. Für die geht es ja noch um Alles, deshalb werden sie uns absolut Nichts schenken. Bei der Leistung von Jena kann einen da Angst und Bange werden. Es gab auf der Rückfahrt aus Jena Stimmen, die meinten: warum soll ich mir im eigenen Stadion ein 0:6 antun? Zuerst dachte ich das auch. Aber nun mit zwei Tagen Abstand kommt dann doch wieder der Turbinefan in mir durch. Denn es ist nicht irgend ein Spiel. Es ist das letzte Heimspiel von Bernd Schröder! Und da kommen wir zu dem oben erwähntem Begriff: Charakter. In diesem Spiel kann unsere Mannschaft Charakter zeigen. Und über folgendes sollte sich die Mädels Gedanken machen: Jeder hat seine eigene Meinung über Bernd. Ich für mich habe vor ihm immer noch den höchsten Respekt. Wenn ich ihn im Luftschiffhafen traf, hat er sich immer ein bisschen Zeit zum Smalltalk genommen. Er ist ein Mann mit Ecken und Kanten, aber ich schätze an ihm besonders seine direkte ehrliche Art. Er redet niemand nach dem Mund, sondern meint, was er sagt. Jeder weiß, daß er sich damit weißgott nicht nur Freunde gemacht hat. Nun tritt er nach 45 Jahren ab. Was für eine lange Zeit! 45 Jahre seines Lebens hat er EHRENAMTLICH dem Frauenfußball (ALSO AUCH EUCH MÄDELS !) gewidmet. Er hat sich für den Frauenfußball den Arsch aufgerissen, als eure Eltern noch in die Windeln pupsten. Und gegen was für Widerstände musste er ankämpfen. Männer wie er haben den Frauenfußball zum Laufen gebracht und dafür gesorgt, daß heut‘ alle Welt davon spricht und euer Sport nicht nur eine unbeachtete Randsportart blieb. Liebe Mädels: Daran solltet ihr denken, wenn ihr gegen Wolfsburg den Rasen betretet. Und Folgendes gilt nicht nur für Euch, sondern auch für uns Fans: Man mag über ihn denken, was man will. Er mag Fehler gemacht haben, aber liest man die Liste der Turbineerfolge kann er auch nicht viel falsch gemacht haben. Auch ich wüsste Dinge, mit denen ich nicht einverstanden bin. Aber eines weiß ich ganz genau: Dieser Mann hat einen würdigen Abschied verdient. Das bedeutet ein volles Stadion, Fans, die ihre Mannschaft von der ersten bis zur letzten Minute anfeuern und somit eine tolle Atmosphäre schaffen. Das heißt aber auch, daß die Mannschaft Bernd zuliebe noch einmal Alles abruft, was sie hat. Es heißt ja: der letzte Eindruck bleibt. Und egal, wer am Ende als Sieger vom Platz geht: VERDAMMT NOCHMAL, MÄDELS WIR WOLLEN EUCH KÄMPFEN SEHEN !!! Bernd hat es einfach verdient.

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