Geballter Fanfrust wegen drei Punkten

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Fanbusfahrt nach Herford am 2.Advent 2014

Genial sicheres Passspiel nach vorn, überzeugende und kreative Spielideen, ein sprühbuntes Feuerwerk im gegnerischen Strafraum, eine souveränes Abwehrverhalten, ein spielsteuerndes Mittelfeld und ein bissiger Sturm, nein, ein Taifun! Wobei letzterer derzeit auf den Philippinen als in Herford wütet…
Ironie aus.Stadioneingang

Nochmal von vorn:
Zum 80. Mal setzte sich der Turbine-Fanbus in Bewegung, diesmal zum Ludwig-Jahn-Stadion in Herford. Das war Anlass genug, dass der Fanbus-Organisator Hartmut Feike zum Bus-Mikrofon griff und einen kurzen Abriss in die Fanbushistorie lieferte. Damals, am 25.November 2007, setzten sich 18 TP-Fans, u.a. Lutz, Raphael und Hartmut, in einen angemieteten Kleinbus, um Bad Neuenahr kennenzulernen. Seitdem sind unzählige Fans ein- und ausgestiegen, um die Mannschaft in kilometer-stunden-entfernten Regionen unterstützen zu können.
Danke, Hartmut!
Da es dich als Mensch nur einmal gibt, existiert demzufolge auch nur einen Verein in der Allianz-Frauen-Bundesliga, der zu fast allen Auswärtsspielen mindestens einen Fanbus wohlorganisiert rollen lässt.
Außerdem wurde diese 80.Fanbusfahrt vom Verein gesponsert. Die mitgereisten Fans bedanken sich an dieser Stelle herzlichst für diese nette, anerkennende Geste.

Es gestaltete sich eine muntere Hinfahrt, begleitet von Sonnenstrahlen, „Wein“, Weib und Gesang. Vor Ort erwartete die hochmotivierten Fans ein geschlossenes Stadion, da erst die fußballspielenden Männer das Feld räumen mussten. Die Wartezeit wurde sich mit „Herforder Pils“, mit ehrenamtlich geschmierten Brötchen und leckerem Kuchen oder einer Bratwurst – natürlich unvergleichbar mit der Thüringer Rostbratwurst in Jena – vertrieben.
Herforder PlisBratwurststand

 

Die Kopfbedeckungen der Fans passte sich übrigens farblich an die Auswärtstrikotfarbe der Mannschaft an, was nicht an der uneingeschränkten Liebe zum Team, sondern eher an der Adventszeit lag. Auch, wenn diese Mützen die eine oder andere Damenfrisur lädierten oder die Überwindung abforderten, überhaupt mal eine Mütze aufzusetzen – schön rot leuchtete es auf jeden Fall in Herford.

KabinenordnungKlatschpappe HF

Nun zum Spiel:
561 Zuschauer beäugten das Spiel, darunter ein paar „HF-Ultras“ und natürlich die ca. 61 Turbinefans, die gewohnt lautstark auch dieses Auswärtsspiel zum Heimspiel mutieren ließen. Nach der Zahlung des Top-Zuschlages von 2€ für das Topspiel… durften sich die Gästefans diesmal an einer freien Platzwahl erfreuen und somit auf die Mittellinie anstatt auf die Eckfahne schauen. Die einzige Einschränkung folgte jedoch unmittelbar: Es war verboten, das Fanbanner und die Fan-Fahnen aufzuhängen.

Wiederum erfreulich war dagegen, dass diesmal beide Amerikanerinnen zum Spieleinsatz kamen. Eine frühe 1:0–Führung beglückte das Fanherz, das Ausgleichstor verunglückte das Fanherz und weckte Duisburger Ängste. Dann das 2:1, dann das 3:1 – doch was sich trotz dieses nummerischen Siegeszuges im Potsdamer Fanblock zusammenbraute, hörte sich an, als würden die Turbinen nicht in Führung liegen und schon gar nicht auf dem 3.Tabellenplatz wohnen. Unmut über das grottenschlechte Spiel machte sich breit. Unzählige Fehlpässe, ein ungeordnetes Abwehrverhalten, kaum Spritzigkeit im Angriffsspiel, ein kaum erkennbarer Spielaufbau und Spielfluss, wenig zu spürende Energie der Spielerinnen. Ein Gefluche, ein Gebrabbele und verärgertes Getöne unter den Fans, bei dem selbst die Trommeln Mühe hatten, an die eigentliche Aufgabe des Anfeuerns zu erinnern. Der Frust schien Oberhand gegenüber dem uneingeschränkten Unterstützungswillen und Respekt gegenüber der Mannschaft zu gewinnen. Eine Aura machte sich breit, die rein akustisch nach Niederlage und Abstiegsplatz klang.

Kein schönes, begeisterndes Spiel – das stimmt. Aber drei Punkte, über die man sich trotzdem freuen sollte. Verbunden mit der Hoffnung, dass es wieder überzeugender bergauf gehen mag – am 12.12. gegen Essen oder auch beim Pokalspiel in Köln.
Auf der Fanbus-Rückfahrt kehrte harmonische Ruhe ein – ganz im Sinne der Vorweihnachtszeit.

Susanne Lepke