Freud und Leid: Die Torri-Schwalm-Show und eine blöde Niederlage

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2. Frauenbundesliga: Turbine Potsdam II – SV Werder Bremen 4:2
C-Juniorinnen Landesliga: Turbine Potsdam – 1.FFC Brandenburg 0:1

9.11.2014 von Micha

Nachdem mich eine Erkältung Samstag ans Bett fesselte, dachte ich mir: ein turbinefreies Wochenende macht dich erst richtig krank. Und so begab ich mich bei naßkalten Novemberwetter in die Waldstadt. Dort standen heute zwei Spitzenspiele auf dem Programm. Zunächst hieß es: Titelverteidiger gegen ungeschlagenen Spitzenreiter. In den Reihen der Bremer Gäste die bundesligaerfahrene Marie-Louise Eta, uns noch bestens bekannt als „Loui Bagehorn“.
Nach zehnminütigen, verteilt im Spiel mit leichten Vorteilen für den SVW faßte sich Torri ein Herz und zog über links bis zur Grundlinie. Ihre Flanke schnappte Bremens Keeperin aber einer einschussbereiten Turbine vor der Nase weg. Nachdem weitere zehn Minuten das Spiel zwischen den Strafräumen stattfand war klar: heute entscheiden Kleinigkeiten, Einzelleistungen oder Standards. So ein Standard gabs in der 24. Minute: wie aus dem Lehrbuch trat Wibke eine Ecke genau auf den Kopf von Kathleen Ann, und die ließ den Ball hoch ins lange Eck „zischen“ – 1:0. Die Antwort der Gäste dann in der 30.: Nachdem sie unsere Abwehr überliefen, musste Vanessa im letzten Moment alles riskieren und retten. Drei MInuten vor der Halbzeit gabs noch einaml ein schönes Zusammenspiel zwischen Laura L. und Torri, aber bei der Keeperin war Endstation. Bis hierher agierte Torri schon sehr auffällig, aber ihre grosse Zeit kam noch.
Zunächst aber übernahm der SVW nach Wiederanpfiff das Kommando und Vanessa hatte gleich zweimal Gelegenheit ihr Können zu beweisen. In der 57, Minute gabs für sie aber nichts zu halten: einen schönen Angriff beendeten die Gäste mit einem placierten Schuß ins lange Eck – 1:1. Fünf Minuten später zeigte Torri, daß sie heute den Unterschied ausmachte: ein Solo entlang der Strafraumberenzung – ein Schuß hoch ins lange Eck – 2:1.
In der 66. setzt sie noch einen drauf. Im richtigen Moment angespielt, marschierte sie los, tunnelte auch noch die Keeperin – 3:1. Ja, Torri drehte auf und das ganze Team zog mit. Zunächst aber dachten die Gäste nicht ans Aufgeben. Nach einem Werder-Angriff bekam unsere Abwehr in der 80. den Ball nicht weg und die Gäste konnten zum 2:3 verkürzen. In der 90. jedoch sorgte Torri noch mal für Beifall auf der gut gefüllten Tribüne (unter den Zuschauern auch einige Spielerinnen unserer Ersten): Unwiderstehlich zog sie über links los bis zur Grundlinie in Höhe der Strafraumgrenze. Dort blieb sie hartnäckig, setzte sich durch und spielte zurück auf die zentral freistehende Lara, die mühelos zum 4:2 einschießen konnte. Eine Wahnsinnsaktion! Folgerichtig gönnte ihr Trainer Thomas Kandler noch vor Spielschluß durch einen Wechsel die verdienten Ovationen der Zuschauer.
Ich beobachte Torri’s Entwicklung, seit sie 2012 zu Turbine kam. Daß sie zu solch einer Leistung fähig ist, überraschte mich daher nicht. Ich hätte sie auch schon gern in der Ersten gesehen. Sie ist eine, die die Zähne zusammenbeisst und fightet. Aber nachdem sie letzte Saison durch viele Verletzungen ein Seuchenjahr erlebte, ist es ganz gut, wenn sie in der Zweiten langsam aufgebaut wird. Heute riss sie das ganze Team mit und so brachten dem SV Werder die erste Niederlage bei: Vanessa Fischer, Victoria Krug, Sandra Wiegand (SF), Lara Junge, Ingrid Wells, Wibke Meister (75. Theresa Baum), Lisa Seifert, Viktoria „Torri“ Schwalm (90.+2 Sophia Stückrad), Laura Lindner, Laura Erdmann sowie Kathleen Ann Deines.
In der Tabelle führen jetzt Der SVW und der SV Meppen mit je 18 Punkten gefolgt vom 1.FC Lübars und unseren Turbinen mit je 16 Punkten.

Anschließend gabs in der Landesliga der C-Mädchen eine Neuauflage des Meisterschaftsendspiels der Vorsaison. Es hies also auch hier „Spitzenreiter gegen Titelverteidiger“. Das Pokalspiel in dieser Saison konnten unsere Turbinen bereits für sich entscheiden und diese Scharte wollte der Meister aus Brandenburg heute auswetzen. Beide Teams kannten sich also. Die Gäste waren sehr defensiv eingestellt, um unsere Mädels nicht ins Spiel kommen zu lassen. Ihrerseits konnten sie aber blitzschnell umschalten und hatten vorn schnelle Leute. So lebte dieses Spiel vom Kampf. Und Chanchen gab es nicht all zu viele. bei den Turbinen beobachtete ich heute leider ein „Fehlpassfestival“, wodurch bei allem erkennbaren Fleiß die Angrsoiffe immer wieder ins Stocken gerieten. Die Mädels aus Brandenburg waren aber auch sehr gut eingetellt, hatten immer wieder ein Bein dazwischen. Es sah manschmal aus, als hätten sie eine Spielerin mehr auf dem Platz. Dem war natürlich nicht so. Es zeigte aber, wie schwer es unsere Mädels heute hatten. Und wenn man zu viele Fehler macht und seine wenigen Chancen nicht nutzt….. In der 30. Minute gabs Ecke für die Gäste. Schon diese Ecke war vermeidbar. Der Ball flog hoch hinein, Jeani bekam ihn nicht unter Kontrolle und die Abwehr bekam ihn nicht weg (einfach rausschlagen wäre ’ne Lösung gewesen). Und so setzten die Brandenburgerinnen nach und erzielten das 0:1.
In der zweiten Hälfte das gleiche Bild, nur hatten die Turbinen jetzt mehr und bessere Chancen: Charlotte setzte einen Freistoß knapp drüber genauso wie Lara kurz vor Schluß. Die größte Chance hatte Lena in der 43. Minute: super von Freya angespielt hatte sie das ganze Tor vor sich. Aber anstatt schnellstmöglich den Abschluß zu suchen, fing sie an zu dribbeln und diese 100%ige Chance war dahin.
Die Gäste ihrerseits brachten den knappen Vorsprung clever über die Zeit und gewannen aufgrund ihrer taktischen Leistung nicht einmal unverdient mit 1:0. Unsere Mädels waren zwar fleißig bemüht (und hierbei fiel mir Freya besonders auf) aber durch die hohe Fehlerquote sind sie heute auch ein Stück weit an sich selbst gescheitert. An mangelden Einsatz hat es jedenfalls nicht gelegen bei: Jean-Marie Ehrke, Linda Bergemann, Lena Pflanz (53. Lea Dalichow), Leonie Thiem (60. Amalie Berck), Sarah Lindner (60. Luna Kadler), Lara Pricelius, Freya Uhrlau, Theresa Wagner sowie Charlotte Wicht.
Die Tabelle führen die Brandenburgerinnen jetzt mit 15 Punkten an gefolgt von den Turbinen mit 12 Punkten und dem KSC Neutrebbin mit 9 Punkten.