An fünf Fingern abgezählt (USV Jena gegen Turbine Potsdam)

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Spielbericht zum Bundesliga-Spiel USV Jena gegen Turbine Potsdam am 18.02.2018 –  von Susi

 

Der allerherzlichste Stadionsprecher der Allianz-Frauenbundesliga wohnt in der Universitätsstadt Jena. (Na gut, Hartmut B., in Potsdam wohnt natürlich auch einer von dieser Sorte.)

Sympathischer Stadionsprecher

Es war beispielgebend, wie wortreich und warmherzig die Begrüßung der Zuschauer im Ernst-Abbe-Sportfeld zu Jena klang. Warme Worte, wertschätzend gegenüber den allen Fans. Auf die seit vielen Jahren bestehende Fanfreundschaft zwischen beiden Vereinen wurde mehrfach hingewiesen, auch im Stadionheft war davon zu lesen. Der Stadionsprecher erzählte von seinem eigenen Besuch im „Karli“, lobte während der Halbzeitpause die Stimmung auf den Rängen und verabschiedete sich auch am Ende wohlwollend von den Zuschauenden.

Und er war so liebenswert freundlich, dem Potsdamer Verein ein Tor über sein Mikro zu verkünden, was gar keines war. Anschließend hauchte er selbstkritisch ein Brille-Versprechen durch die Lautsprecher.

Schön war es wieder in Jena. Eine kurze Anreise galt es zu genießen, weshalb auch die längere Fanbus-Version prall gefüllt und ausgebucht war. Weit nach Sonnenaufgang, gegen 9.00 Uhr, startete der schwarze Bus mit blau-weißem Inhalt nach Thüringen – zu den heißgeliebten Rostbratwürsten, die diesmal auch in ausreichender Zahl die preußischen Münder stopften. Und kurz vor dem „Tatort“ kehrte der Bus in den Heimathafen zurück. Also ein netter Sonntagsausflug – mit netten Erlebnissen und noch netterem Spielausgang.

Geburtstagskind

An Bord boten zwei wetteifernde Geburtstagskinder ihre Geburtstagslagen feil. Witze wurden gerissen, Songtexte mitgebrüllt, im Gang getanzt, unzählige Male zugeprostet, Schuhe vermisst, Kuchenherzen geschlemmt. Nach gut zwei Monaten Spielpause wurde in wenigen Sekunden an Bord das brandenburgische Frauenfußballherz wieder reanimiert und Sehnsüchte gestillt. Es gab auch neue Mitfahrende im Fanbus, die erwartungsvoll einstiegen, kopfschüttelnd mitfuhren und völlig begeistert ausstiegen – um auf jeden Fall beim nächsten Mal wieder zuzusteigen.

In Jena selbst gab es neben dem hochgelobten Stadionsprecher noch hübsche andere Dinge zu erleben:

Die USV-Fans liehen großzügig einem Schlegel-vergesslichen Potsdamer Fan einen Trommel-Stick aus, damit alle Potsdamer Trommeln vollständig und schlagwütig erklingen konnten.

Auf den Allerwertesten

Es gab minderjährige, kleinwüchsige Fans aus Potsdam, die mit einem Trommelschlegel bewaffnet, auf den Allerwertesten von verschiedenen Menschen-Arten (Fans, Spielerinnen und Co-Trainer) einprügelten. Svenja Huth zeigte sich als dankbarste und schlagfertigste Abnehmerin dieser „Prügel-Attacke“.

Ach ja, am Rande dieser Eindrücke lief auch noch ein Bundesliga-Spiel …

 

Das Spielgeschehen

Würden sich unsere Torbienen tatsächlich als „Jäger“ präsentieren, so die Beschreibung in der lokalen Tagespresse? Wie würden sie mit dem hochgepriesenen Duisburger Wind umgehen, den Jena aus dem Ruhrpott durch den  ersten Saisonsieg entführt hatte.Sturm oder Flaute?

 

Einzug des „Restes“

Das Spiel begann zäh. Dreißig Minuten lang war nichts Fließendes, Beißendes, Witziges, Feuriges zu beobachten. Der zähe Beginn blieb zäh.

Doch genau in der 30. Minute gab es einen Eckball, eine neue Potsdamer Spezialität!

Feli Rauch führte diesen aus, Tory Schwalm löste die Handbremse und netzte zum 0:1 ein. Bis zur Halbzeitpause passierte trotz der einen oder anderen Chance nichts mehr, wobei sich Jenas Nr. 10 namens Pietrangelo torgefährlich zeigte und mit ihrer Spielerin-Qualität im Allgemeinen auffiel.

Nach Glühwein und Pommes ging es dann in die zweite Halbzeit. Und diese währte nicht lang, als Potsdam mal wieder einen Eckball zugeschrieben bekam. Wie bereits erwähnt, die neue Potsdamer Spezialität! Huth lief an, Rahel Kiwic stand dort, wo sie stehen musste, streckte sich kurz und köpfte hinein – 0:2! Rahel Kiwic, unsere neue Torschützenkönigin.

Danach folgte der nächste „Huthsame“ Auftritt: Svenja wird im Strafraum gefoult – Elfmeter! Und wer übernimmt die schießende Verantwortung? Jojo Elsig. Sie läuft an, zack, Tor – 0:3. Jetzt wurde es langsam unterhaltsam und lustig – und auf der Fanseite von Jena, trotz aller Freundschaft, etwas ruhiger.

In der 69. Minute war mal wieder Eckball-Zeit angesagt. Feli Rauch schoss, Jojo Elsig übernahm zum zweiten Mal die Verantwortung und setzte zum Höhenflug an – 0:4! Unglaublich. Erleichternd. Wild. Und Jojo lag ein Hattrick auf dem Fuß…

Aber dann wurde Nina Ehegötz, die laut Presse eigentlich noch verletzt war, eingewechselt. Und dieser reichten insgesamt nur 16 Spielminuten aus, um in dieser knapp bemessenen Zeit ein Tor zu schießen -0:5!

An fünf Fingern abgezählt, eine Handvoll, jetzt konnte man alle Fünfe gerade sein lassen – ein fulminanter Rückrundenstart!

Noch dazu war der Duisburger Wind im Ruhrpott geblieben, da in Jena eine Flaute herrschte. Duisburg besiegte am gleichen Spieltag überraschend die Starmannschaft der aktuellen Saison: den SC Freiburg. Somit rangiert Potsdam nun auf Platz 4 der Tabelle, zwei Punkte hinter Freiburg.

Die Jagdsaison hat somit erfolgreich begonnen. Mal sehen, wie euphorisch sich Duisburg am kommenden Sonnabend (ja, richtig gelesen, nicht am Sonntag) zeigen wird.

 

Weiter so, Mädels, wir lieben euch!

 

Text: Susanne Lepke

Fotos: Susanne Lepke

 

 

 

 

 

 

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