Ohne Gnade und Barmherzigkeit – Bayern München gegen Turbine Potsdam

Spielbericht des AFBL-Spiels FC Bayern München Frauen gegen Turbine Potsdam am 06.05.2018 

Es mussten mehr als 24 Stunden ins Land ziehen, um die Schreibblockade für diesen Spielbericht zu überwinden.

Der Sonntagsausflug nach München in das mittlerweile „heißgeliebte“ Grünwalder Stadion hat trotz bestem Frühlingssonnenwetter dunkle Wolken aufziehen lassen. Vor drei Wochen, als der Fanbus schon einmal dieses Ziel mitsamt der nichtvorhandenen Parkmöglichkeit angesteuert hatte, kehrte die reisefreudige Potsdamer Fangemeinde irritiert zurück. Das Pokalhalbfinale ging damals 3:1 verloren und die in der Allianz-Frauenbundesliga einmalig strenge Stadionordnung führte dazu, dass das knallgelbe Fan-Maskotten „Torbienchen“ gnadenlos von der bayerischen Security weggesperrt wurde.

Wenig erpicht auf das erneute Erleben dieser unbarmherzigen Art von „Gastfreundschaft“ rollte der Fanbus erneut am sehr frühen Sonntagmorgen los, da den Fans trotz allen Unmuts die Unterstützung der Mannschaft vor Ort noch mehr am Herzen lag als das eigene Willkommensgefühl. „Turbigees welcome“- mit Kuscheltier-Begrüßungsgeste am Busbahnhof von gutmenschelnder Geschäftsstellenabgeordneten empfangen – ein ungeträumter Traum😉

der Fanbus unterwegs nach München

15 Stunden Busfahrt für ein 90-Minuten-Spiel, das ist ein persönlicher Einsatz, der ebenfalls einmalig in der Allianz-Frauenbundesliga ist.

Ordnungsgemäß und fristgerecht hatten die mitreisenden Fans ihre Fanutensilien bei der Geschäftsstelle des FC Bayern Frauen angemeldet. Die umfangreiche Verbotsliste wurde während der letzten drei Wochen um das Wort „Maskottchen“ nachträglich erweitert.

Als der Fanbus vor dem Stadion hielt, unterbrachen die Einlasskontrollen jäh ihre Arbeit und wendeten all ihre Blicke dem einrollenden Fahrgefährt zu. Ein komisches Gefühl, das die Businsassen ereilte. Waren wir Potsdamer Hooligans– oder was? Ein Empfangsdamenduett der bayerischen Geschäftsstelle postierte sich mitsamt einer detaillierten Fanutensilien-Erfassungsliste  vor dem Bus und verkündete, dass sie hier standhaft ständen, um die 20 Maskottchen abzuwehren, die gar nicht erst aus dem Bus aussteigen dürften. Ansonsten drohe dem Herrchen oder Frauchen ein Stadionverbot. Die bayerische Abwehrkette gegen den Plüsch(tier)-Angriff stand felsenfest, schnappte nach Luft und diskutierte nicht.

Sprachlosigkeit. Unverständnis. Frust.

UNWÜRDIG

Das knallgelbe Maskotten „Torbienchen“ reiste seit 10 Jahren zu allen Turbine-Spielen innerhalb und außerhalb Deutschlands mit, eine Herzens-Sitte, die an all den anderen Orten auf Gegenliebe bzw. Toleranz stieß. Aber nicht in der bayerischen Landeshauptstadt! Auf gar keinen Fall. Ausgeschlossen!

Reisen bildet und öffnet Horizonte… aber die Motivation, einheimische Regeln mit denen der anderen 11 Bundesliga-Stadien und zzgl. mit den europäischen Gepflogenheiten  abgleichen zu WOLLEN, tendiert gnadenlos gegen Null. Warum dieses bayerische „Abseits“-Verhalten? Gab es in der Regionalgeschichte jemals einen „Toleranz-Edikt“?

Dass es die Aufgabe der Einlasskontrollen ist, bestehende Regeln durchzusetzen, soll hier nicht kritisiert werden. Das WIE steht nicht infrage, aber das WAS: Inwieweit die Grünwalder Regeln zur Fankultur des Frauenfußballs passen, sollte unbedingt hinterfragt werden, wenn man den Frauenfußball als eigene Sportart mit all ihrem Flair einzuschätzen weiß. Hier wird mit Kanonen auf Spatzen – oder auch Bienen – geschossen. Die Kommunikationskultur erscheint dogmatisch, ein Austausch von Argumenten wird nicht geduldet, es gibt nur ein schnarrendes Entweder – Oder. Das hat mit dem harmonischen und sportlich fokussierten Geist des Frauenfußballs nichts zu tun – und bleibt damit weiterhin unverständlich.

Potsdam verfügt seit über 20 Jahren über eine allmählich gewachsene, authentische Fankultur. Hier wird Frauenfußball tatsächlich ernsthaft gelebt, hier erübrigt sich der Vergleich mit dem Männerfußball, hier muss auch nicht auf die Daseinsberechtigung unter dem Dach eines Männerfußballvereins hingewiesen werden. Und wenn „Babelsberg 03“ im „Karli“ spielt, gelten andere Einlasskontrollen als bei einem Turbine-Spiel.

Falls es in den nächsten 20 Jahren tatsächlich dazu kommt, dass sich ein waschechter bayerischer Fanbus nach Potsdam verirren sollte: Hier erhalten Plüschtiere ungehinderten Zugang ins „Karli“ und eine extra Kuscheleinheit, versprochen!

Nun zum Spiel.

Nach dem Aufhängen der angemeldeten und zertifizierten Fahnen und Banner sowie dem Ausbreiten der Blockfahne ergriff der Stadionsprecher das Wort. Ob die weitangereisten Fans aus Potsdam begrüßt wurden, kann hier nicht sicher bekundet werden. Gehen wir einfach mal davon aus, denn es gehört sich so.

Aber da sich das Sprechtempo beim Verlesen der Mannschaftsaustellung bis zur Nennung der Auswechselbank rasant und ignorant steigerte, machte das Mitsprechen der Spielernamen (ja – wir können alle auswendig mitbrüllen und den Gesichtern zuordnen) unmöglich. Was soll’s. Wenn doch wenigstens das betont langsame Vorlesen der bayerischen Spielernamen einen Sinn ergeben hätte … aber Stille als Antwort kann auch beruhigend wirken.

FREIHEIT FÜR TORBINCHEN

Die Choreo in A4-Blatt-Größe mit dem Spruch „Freiheit für Torbienchen“ ging glatt über die Bühne und wurde zur zweiten Halbzeit wiederholt, da sich ein weiterer Übertragungssender „Sport1“ hinzugeschaltet hatte.

 

 

 

„gut gefüllte Haupttribüne“

Nachdem beide Mannschaften wieder brav und mit starkem medialen Auftritt der Geister-Haupttribüne zugewinkt hatten, ertönte der Anpfiff.

Die Turbinen starteten gut ins Spiel. Ganz anders als vor drei Wochen, als sie das Kaninchen vor der Schlange erstarrten. Es war zu spüren, dass sie sich eine Revanche vorgenommen hatten und die allerletzte Mini-Chance auf die CL-Qualifikation nutzen wollten. Auch als es in der 7. Minute hinter Lisa Schmitz „klingelte“ und die beeindruckende Nicole Rolser einnetzte, sank nicht das Selbstvertrauen. Und die Antwort kam prompt vier Minuten später. Nina Ehegötz sorgte für den jubelumwobenen Ausgleichstreffer! Doch die Schiedsrichterin entschied sich für eine gravierende Fehlentscheidung. Das Tor zählte aufgrund eines „Abseits“ nicht, was keines war (vgl. Medienberichte, u.a. Telekomsport-Übertragung.)

Disput nach der Aberkennung des regulären Ausgleichtores

Eine Woche zuvor wurde ein Potsdamer Ausgleichtreffer durch eine Fehlentscheidung der Schiedsrichterin nicht anerkannt, jetzt wiederholte sich dieses Prozedere.  Und die Reaktion der Schiedsrichterin war es, ihre Inkompetenz mit gelben Karten zu übertünchen. Svenja Huth, die die Welt nicht mehr verstand, erhielt aufgrund ihres wiederholten Protestes eine gelbe Karte.

Matthias Rudolph sprach in der Pressekonferenz diplomatisch von einer „zermürbenden“ Wirkung. Die Qualität der DFB-Schiedsrichterinnen gehört unbedingt auf die DFB-Tagesordnung! Die Wertschätzung des Frauenfußballs als Sportart steht hier auf dem Prüffeld.

Trotz dieses nichtanerkannten Ausgleichtreffers hielt Potsdam weiter dagegen. Ein temporeiches Hin- und Her entspann sich, die Turbinen spielten gegen über dem Pokalhalbfinale wie verwandelt. Das konnte auch die sich fortsetzende mangelhafte Schiedsrichterleistung nicht stoppen.

Mit einem 1:0 ging es in die Halbzeitpause, alles war noch drin.

Der Start in die zweite Halbzeit gelang Nicole Rolser am besten. Das 2:0 saß und schnitt sich tief ins preußische Gemüt. Potsdam verlor den Mut und stellt notgedrungen auf Offensive um. Ein Risiko, denn die Abwehr wurde dadurch löchrig. Und somit passierte das, was passieren musste. Nicole Rolser tauchte ein drittes Mal vorm Potsdamer Gehäuse auf und netzte souverän ein. Danach war alles aus. Die Turbinen verloren den Kopf – und die Torhüterin Lisa Schmitz etwas später kurzzeitig das Bewusstsein. Ein ungeschriebenes Gesetz (ja, so etwas soll es geben…) im Sinne des respektvollen Umgang der Frauenfußballfans beider Seiten besagt, dass Fangesänge mit instrumentaler Untermalung aller Art augenblicklich verstummen, wenn eine Spielerin verletzt am Boden liegt.

Auch das verbale Angehen wie z.B. das hämische „Turbine abschalten!“ steht nicht im Fankulturgesetz des Frauenfußballs. Aber die Turbinefans schreiben nicht Gesetze und Verbotstexte, sie LEBEN mit all ihren wohlmeinenden Emotionen den Frauenfußball. Seit 1971.

Beide Dinge haben mit Achtsamkeit, Wertschätzung und Respekt zu tun. Da geht von Plüschtieren natürlich die größere Gefahr aus, die es gnadenlos zu bannen gilt.

Der restliche Spielverlauf war aus Potsdamer Sicht schmerzhaft anzusehen. Potsdam stand wie traumatisiert auf dem Platz oder lag bereits verprügelt am Boden, während die bayerischen Damen zielgerichtet weiter das Tor bestürmten. Am Ende klatschte die Klatsche gewaltig gegen das Potsdamer Selbstvertrauen. Eine so hohe Niederlage war mit Blick auf die erste Halbzeit nicht verdient. Und wer weiß, wie sich der Spielverlauf gestaltet hätte, wenn der Ausgleichstreffer nicht versagt worden wäre…

Enttäuschung pur

Respekt für die Turbine-Mannschaft, die sich trotz der bitteren Enttäuschung und Traurigkeit noch einmal aufraffte und bei den mitgereisten Fans bedankte. Das war nicht immer so – und kostet Überwindung. Aber die Fans wissen das zu schätzen.

Ein Trostpflaster war an diesem Spieltag, dass der USV Jena mit einem weiteren Erfolg (auswärts gegen Hoffenheim) die Abstiegsgefahr abfedern konnte. Aber wer Bayern im heimischen Stadion zu einem Unentschieden zwingt, steigt nicht ab😊

Und die Rückfahrtsstimmung im Fanbus war alles andere als leise. Sie war von Ironie, Sarkasmus und einem großen Berg an Witzeleien gekennzeichnet. Turbinefans eben, die besten Fans der Liga!

Mit oder ohne Maskottchen.

Uns hält nichts auf.

Und deshalb haben wir am kommenden Sonntag gegen Köln ein sehenswertes und erfolgreichen Spiel verdient! Es ist so schade, dass die Turbinen, wie bereits in der letzten Saison, auf der Zielgeraden stehenbleiben und die Chance auf die CL-Qualifikation nicht zu nutzen wissen.

Und der nächste Ausflug ins „Kruzifix-Ländle“ mit den christlichen Werten der Gnade und Barmherzigkeit liegt – Gott sei Dank! – in netter Ferne.

Aber die Choreo steht schon.

 

Text: Susanne Lepke

Fotos: Beatrice Martens

Illustration: Steffen Lepke

 

 

 

 

 

 

 

 




Hurra, sie spielen wieder Fußball! Turbine Potsdam gegen Bayern München

Spielbericht zum Bundesliga-Spiel Turbine Potsdam gegen Bayern München am 12.11.2017 – von Susi

Grau-trübes Sonntagswetter, kühle 7 Grad, Glühwein-Angebot für 3€. Blaue Fahnen flattern auf der Stehtribünenseite im Novemberwind, das Turbinchen-Maskottchen trottet über den Rasen. Die Fernsehkameras stehen bereit, vom RBB und vonTelekom Sport. Es ist 13.35 Uhr – eine ungewöhnliche Anstoßzweit für das Spitzenspiel zwischen Potsdam und München, eine Idee der Fernsehsender.

Bayrische Ausschmückung

Gut 1.800 Zuschauende hat es trotz der kühlen Temperaturen ins „Karli“ gezogen, echte Fans eben. Dazu gehören auch die rötlichen Besucher aus den Bayern-Hochburgen Mahlow und der Spreeregion, die hinterm Tor Stellung genommen haben. Alle anderen Frauenfußballinteressierte hat es auf der kuscheligen Couch vor dem heimischen Fernseher festgesogen.
Nach fünf Unentschieden in Folge galt es nun, diese unzufrieden machende Serie zu durchbrechen. Erst recht nach dem vorangegangenen Spiel gegen die SG Essen, das ein grottenschlechtes Gekicke darstellte, musste eine Wiedergutmachung her.
Nun waren also die Mädels aus München zu Gast, die irgendwie allesamt 20 cm größer und 20 cm breiter als die Turbinen wirkten. Die Namen des bayrischen Kaders hatten halbwegs wissende FF-Fans allesamt schon mal gehört, ein beeindruckender Kader, trotz einiger verletzter Spielerinnen und vielen Abgängen nach der letzten Saison.
Das letzte Duell gegen Behringer und Co ging im Frühling diesen Jahres 0:4 verloren und stellt bis zum heutigen Tage auch die letzte Niederlage für Turbine Potsdam dar. Seitdem spielen die Turbinen unentschieden oder gewinnen ganz selten auch mal.
Nachdem die Co-Trainerin Josephine Schlanke (aus Versehen) ihren Handschuh aufs Spielfeld geworfen hatte, entfachte sich das Duell gegen Bayern München. In den ersten 20 Minuten entspann sich dieses Duell leider nicht auf Augenhöhe, den Bayern stand, Bayern spielte, Bayern bestimmte. Und weil das so war, zeigte die Schiedsrichterin In der 8. Minute auf den Elfmeterpunkt. Behringer zog unbeeindruckt ab, das bedeutete die Führung für die bayrischen Damen. Traurig – aber wahr.
Eine Pfostenknaller-Antwort wenige Minuten später durch Tabea Kemme ließ den Potsdamer Trotz etwas erahnen, der sich ab der 20. Minute zu entwickeln begann. Die Potsdamerinnen fanden nun zunehmend besser ins Spiel, nahmen die Zweikämpfe gezielter an und standen im Mittelfeld besser.
Die Mannschaftsaufstellung ähnelte der vorangegangenen gegen die SG Essen. Es gab nur zwei Unterschiede: Zum einen Sarah Zadrazil und zum anderen Rahel Kiwic, die 1,85cm große Abwehrspielerin, die den Bayern-Damen auf Augenhöhe begegnen oder gar überflügeln sollte. Viktoria Schwalm, die Nr. 17, gehörte wie in Essen zur Startelf. Insebsondere Schwalm und Kiwic nutzten die Chance und das entgegengebrachte Vertrauen dermaßen „schamlos“ aus, dass einem beim Zuschauen fast der Mund offenstehen blieb. „Tory“ Schwalm, die erst in den letzten 10 Minuten ausgewechselt wurde, erhielt nach dem Schlusspfiff den Preis für die beste Spielerin der Partie. Und Rahel Kiwic trug sich nicht nur in der 52. Minute in die Torschützinnen-Liste ein, sondern kandidiert aktuell auf der DFB-Vorschlagsliste für die „Beste Spielerin des Spieltages“. Also bitte hier bis zum 16.11.17 voten!
Aber nicht nur diese beiden Spielerinnen lösten Begeisterung aus, sondern ganz besonders mit dem Start in die 2. Halbzeit verwandelte sich das „Karli“ in einen „Hexenkessel“. Emotionen pur, lautstarkes Angefeuere, Atemlosigkeit, Herzgekaspere! Die Turbinen spielten tatsächlich mal wieder Fußball! Fulminanten Fußball! Fast die gesamte zweite Halbzeit wurde nur in einer Hälfte gespielt. Soweit, wie die bayrische von der brandenburgischen Landeshauptstadt entfernt ist, soweit war auch das Torgehäuse für die Gäste entfernt. Auf einmal lief der Ball, eine teilweise gewitztes Kurzpassspiel mit dem Drang zum Tor, eine Chance reihte sich an die nächste. Brisante Spielminuten, ein Augenschmaus, der mit einem Pfostenknaller durch Kiwic garniert wurde.
Und Thomas Wörle verließ immer häufiger seine Coachingszone, um die vierte Schiedsrichterin in ein brüllendes und gestenreiches Gespräch zu verwickeln. Aber der runde Gegenstand an sich, dieser Fußball, der surfte auf der Welle der Zuschauerbegeisterung immer fein in Richtung gegnerisches Tor.
Und dann?

Elfmeter für Bayern

In einem kurzem Moment der aufkeimenden Erinnerung, dass es noch ein zweites Torgehäuse gab, welches es mal wieder zu besichtigen galt, machte sie Fridolina Rolfö auf den Weg und nutze die einsame Chance der Bayern nach gut 25 Minuten gespielter zweiter Halbzeit zum erfolgreichen Einnetzen. Ein Tor aus dem Nichts, die Führung erschien hochgradig ungerecht – wie ein Faustschlag ins Gesicht.
Aber gesichtslos zeigten sich die Turbinen daraufhin nicht. Kampf stand an, mannschaftliche Geschlossenheit, Spaß am Fußball, spielerische Ideen und weiterhin dieser ungemeine Drang zum Tor. Wie Wibke Meister in der Halbzeitpause als interviewte Turbine_Experin vor der RBB-Kamera wissend vermeldete: „Wer nicht aufs Tor schießt, schießt keine Tore.“ Kluges Mädchen😊
Sie präsentierte im Interview souveräne Äußerungen vor der Kamera, denen man gern lauschte. Dank an dieser Stelle auch dem RBB für die mediale Gestaltung der Halbzeitpause. Auf anderweitige Verbraucher- oder Programmhinweise wurde verzichtet, die gesamte 15-minütige Sendezeit wurde für Informationen rund um den Potsdamer Frauenfußball genutzt: für ein Interview mit Wibke Meister und Matthias Rudolph (Aufzeichnung), für die Analyse von Spielszenen aus der 1. Halbzeit sowie für den filmischen (Rück-) Blick auf die Nationalspielerinnen Tabea Kemme und Svenja Huth. Somit wurde der besondere Charakter des Frauenfußballs bedient, nämlich der totale Fokus auf den Sport an sich.
Doch zurück zum Spiel:
Nach diesem gnadenlos effektiven Torschuss der bayrischen Mädels in der 72. Minute, der zum zweiten Mal ein Rückstand für die Turbinen bedeutete, spielten unsere Mädels unbeirrt weiter. Auch die Fans ließen nicht locker. Und die Karten der Schiedsrichterin in zweifarbiger Ausführung saßen jetzt lockerer. Nach vielen unbestraften Fouls – auf beiden Seiten – zückte die Schiedsrichterin 10 Minuten später sogar die rote Karte gegen Verena Faißt, die Svenja Huth auf dem Weg zum Torabschluss unsanft foulte. Ein zentraler Freistoß folgte, von der 17-jährigen Gina Chmielinski ausgeführt, die sich (bewusst?) rotzfrech zeigte. Schuss mit rechts gegen die Mauer, Abpraller, langer Schuss mit links in Richtung Tor – Abpraller am linken Pfosten – Toooor! Genial, glücklich, hochverdient, dieser Unentschieden-Stand in der 82. Minute.
Und die Turbinen wie die Zuschauenden spürten: Da ging noch was. Das roch nach Sieg! Die Schiedsrichterin pfiff nun jedes „Foulchen“ im bayrischen Strafraum, ein Freistoß folgte dem nächsten – doch es gelang leiderleiderleider nichts mehr, was sich „Tor!“ nennen durfte.
Trotzdem: Nach dem letzten Spielberichts-Gemecker über das fünfte Unentschieden schwingt jetzt ein überschwängliches Gelobe für das sechste Unentschieden auf in den Potsdamer Himmel. Das war ein sehenswertes Fußballspiel! Da ließ es sich selbst der Ex-Trainer Bernd Schröder nicht nehmen, mal wieder den Karli-Rasen zu betreten, um dem Fanblock ein „Die Mädels haben gut gespielt!“ zuzurufen.
Die Blutblase aufgrund der Trommelei befindet sich im Heilungsprozess, die eine oder andere heisere Stimme erholt sich, der Herzrhythmus bewegt sich wieder in gesunderen Abständen.
Danke, Mädels, für dieses Spiel! Auch wenn sich die Pünktchen-Addition in der Tabelle nicht belohnend auszahlt, ihr könnt sehr stolz auf eure gezeigte Leistung sein. Allen fünf Mannschaften, die derzeit über euch in der Tabelle stehen, habt ihr zwei Punkte abgenommen. Freiburg – gefühlter Sieg, Wolfsburg – glückseliges Unentschieden, Bayern – gefühlter Sieg, Frankfurt – gefühlter Sieg, Essen – ärgerliches Unentschieden.

In Köln wird am kommenden Wochenende ein Sieg gefeiert. Ganz bestimmt!

Text: Susanne Lepke
Fotos: Susanne Lepke