Sei nicht traurig, Pots-dammm! Turbine – SC Sand am 03.06.18

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Spielbericht zur AFBL-Partie: Turbine Potsdam gegen den SC Sand am 03.06.2018

 

Tränenreich ging es am vergangenen Sonntag im „Karli“ zu. Erst weinte die U17 und später beweinten Menschen Abschiede. Nähern wir uns jedoch dem „Tal der Tränen“ schrittweise.

Engagiertes Coaching (Foto: SL)

Das „Vor-Spiel“: U 17- Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Köln

Am letzten Spieltag der Saison 2017/18 wurde doppelt so viel Fußball gespielt wie sonst. Bevor der FC Sand zur Sonntagnachmittags-Kaffeezeit im „Karli“ begrüßt wurde, stand der Stadionrasen für das U17-Halbfinal-Rückspiel Turbine Potsdam gegen den FC Köln an. Besonders auffällig und bewundernswert zeigte sich hier übrigens die Kölner Trainerin, die mit einer fulminanten, überbordenden Körpersprache die Mannschaft vorantrieb und die Bedeutung des Spiels ganz klar einzuordnen wusste.

Der Fanclub, der gewöhnlich den Vormittag des letzten Spieltages für einen gemeinsamen Ausflug mit einer Nachwuchsmannschaft nutzt, nahm nach der Ankündigung dieses „Vor-Spiels“ sofort von der Tradition Abstand und war sich einig, früher ins Stadion kommen zu wollen, um den Turbine-Nachwuchs lautstark zu unterstützen. Für die jungen Mädels bot sich demzufolge eine ungewohnte, aber sicher hochmotivierende Stadionkulisse.

Das Hinspiel eine Woche zuvor war 2:2 ausgegangen – und auch hier stand es nach 80 Minuten, was in dieser Altersklasse den Schlusspfiff bedeutet, 1:1. Also folgte (ohne Nachspielzeit) ein Elfmeterschießen, was grundsätzlich immer Spielspannung und Nerv-Glück bedeutet.  Und hierbei kommt die erste Träne ins Spiel, denn die stadionunerfahrenen Nerven versagten beim Turbine-Nachwuchs. Das Rückspiel ging somit verloren, die Trauer war groß, der Kölner Jubel sichtbar und gut zu hören. Wäre der Rasen keine gut geebnete Fläche, hätte der Turbine-Nachwuchs mehrere Pfützen hinterlassen. Aber den jungen Kickerinnen stehen alle Türen und Stadiontore offen, auch wenn zuerst einmal die gesamte Welt zusammenbricht.

Zwischen den beiden Spielen

Zwischen dem einen und dem anderen Spiel gab es sehr viel Kuchen zu essen, denn im Eingangsbereich fand ein regelrechter Kuchen-Battle statt. Zum einen lud Rudis eigene Klasse 10A zum Kuchenessen ein. Die Schüler_innen nutzten die Stadionkulisse, um für ihre Abschlussfeier zu sammeln. Zum anderen versuchten die Eltern des Turbine-Nachwuchses unter den Fittichen der Nachwuchstrainerin Bettina Stoof, ihren Kuchen gegen eine Spende anzubieten, um die Nachwuchsarbeit fördern zu können. Das Überangebot erbrachte nicht den erwarteten Erfolg, aber Kleinvieh macht auch Mist. Tränen flossen hierbei aber nicht.

 

Abschiedstränen

Kurz vor 14 Uhr liefen dann beide Mannschaften der 1. Bundesliga auf. Eine große Zeremonie bahnte sich an, denn es galt, fünf Spielerinnen zu verabschieden, darunter auch die Kapitänin und ein Turbine-Urgestein. Bereits im Spielertunnel kullerten die ersten Tränen über die Kapitänswange.

Folgende Spielerinnen wurden verabschiedet:

Fanclub-Geschenk an Tabi (Foto:Saskia) (Foto:Saskia)

Tabea Kemme, die vereinstreue Stamm- und Nationalspielerin, derzeit verletzt, die nach 4383 Tagen Vereinszugehörigkeit den Verein in Richtung Arsenal London verlässt.

Lia Wälti, die Kapitänin, Schweizer Nationsspielerin und Stammspielerin über fünf Jahre, die große Dankbarkeit an alle Anwesenden sendete und ebenfalls nach London aufbricht.

Eseosa Aigbogun, eine weitere Schweizerin, die zwei Jahre für Turbine kickte und immer quirlig über die Seite nach vorne lief, aber vor dem Torgehäuse zu oft zu viel Respekt hatte. In welche Richtung sie demnächst läuft, ist derzeit noch ungewiss.

Marina Georgieva, Österreicherin, die ein Jahr lang für Turbine kickte und nun zum aktuellen Tagesgast FC Sand wechselt. Übrigens ließ sie wissen, dass es von Sand aus noch eine halbe Stunde weiter nach Hause ist als von Potsdam aus– unglaublich! Der Fanclub hat ihr versprochen, in Sand für sie zu jubeln.

Laura Lindner, aus dem eigenen Nachwuchs stammend, die nun in die zweite Mannschaft zurückkehrt und somit gar nicht so richtig geht.

Die fünf Spielerinnen wurden vor dem Anpfiff vom Vorstand mit Sekt und gerahmten Trikots verabschiedet. Der Fanclub „Turbinefans“ reihte sich auf kreativ Art und Weise in die Dankesgemeinde ein und überreichte neben den mittlerweile traditionell sonderangefertigten blau-weißen Rosensträußen auch einige XXL-Foto-Collagen: Diese Unikate werden in  mühevoller und zeitintensiver Kleinarbeit jedes Mal vom Fanclubmitglied Marina Hartmann gebastelt und werden sicherlich einen Ehrenplatz in den heimischen vier Wänden erhalten. Als Schmankerl überreichte der Fanclub nalle Spielerinnen, die 5 Jahre und länger dem Verein zugehörig waren ein Saisontrikot, das auf dem Rücken die Anzahl der Vereinstage anzeigte. Danke hier an die Ideengeberin und Strichlisten-Erstellerin: Mini sowie an Dagi und den Fanshop, welche die praktische Umsetzung möglich machten.

So ein hübsches Trikot! (Foto: SL)

Dass sich Tabi sofort dieses Trikot-Geschenk überstreifte und die nächsten Stunden mit der Zahl 4383 durchs Stadion und drumherum lief, zeugte von ihrer Freude übers Geschenk und der Wertschätzung gegenüber den Fans.

Auch die Choreo im Fanblock D, die von den beiden Fans Caro und Mini erdacht, produziert und organisiert wurde, war eine Augenweide. Herzlichen Dank den beiden für Idee und Engagement!

 

Das letzte Spiel der Saison 2017/18 – gegen den SC Sand

Nun noch ein paar Worte zum Spiel, das eher eine Nebensache darstellte, denn es ging wiederholt um ein dickes, fettes Nichts. Der 4. Tabellenplatz war bereits einen Spieltag zuvor sicher nach vorn und hinten einbetoniert worden. Es galt nun, ein schönes Fußballfest zu feiern. Die Sonne, die sich vormittags gar nicht gezeigt hatte, kroch hinterm dem „Waschküchen“-Himmel hervor und spielte eifrig mit.

Die Abschiedszeremonie vor Spielbeginn zeigte Wirkung: Völlig von Sinnen, emotional umdisponiert, klingelte es bereits in der 3.Minute in Lisa Schmitz‘ Tor. Leider. Gedankenverloren.

Danach trocknete der laue Sommerwind  die Tränen und es ging mit der Kapitänin an Bord volle Kraft voraus! Potsdam gewann die Überlegenheit und Nina Ehegötz kitzelte einen Elfmeter heraus. Feli Rauch versenkte diesen eiskalt im Netz – Ausgleichstor! Die Blockfahne wurde im Fanblock eilig entrollt und ein 1.600 stimmstarker Chor sang das enthusiastisches „Olé“.

Anschließend plätscherte die Partie so dahin, wobei man Lia Wälti anmerkte, dass sie unbedingt ein Abschiedstor erzielen wollte. Die Chance war da, neben ungezählten anderen…, aber der Siegtreffer ließ auf sich warten. Erst in der 81. Minute machte Rahel Kiwic das Ding klar. Und Lara Prašnikar bestärkte sie zwei Minuten später darin. Mit 3:1 ging das Spiel wohlverdient und klar aus.

Ciao, ihr beiden! (Foto: SL)

Ein emotionaler Moment – um noch einmal auf das Tal der Tränen zurückzukommen – war die Auswechslung von Lia Wälti kurz vor Spielende. Zeitlupenartig verabschiedete sie sich von allen Spielerinnen und anschließend von den Fans. Merci vielmals, liebe Lia!

Autogrammstunde beim Fanfest (Foto: SL)

Im Anschluss an diese Begegnung wurde auf dem Platz neben dem „Karli“ ein kleines Fanfest, initiiert von der Allianz und AOK, gefeiert. Drei Hüpfburgen stellten die eigene Entscheidungsfähigkeit auf die Probe (Spaß aus Erwachsenensicht). Diesmal schlossen der Getränkewagen und Holzkohlegrill nicht mit Beginn des Festes – und die Autogrammjäger-Schlange war diesmal doppelt so lang wie beim letzten Mal.

Der herzliche Wortschwall und die Abschieds-Drückereien nahmen kein Ende und werden somit die fußballfreie Zeit überbrücken.

Allen einen schönen Sommer, den Spielerinnen und dem Team dahinter eine genussvolle, erholsame Zeit und den „auswandernden“ Spielerinnen breite Spazierwege mit nettem Weg-Dekor.

Der Fanclub feiert am 7. Juli sein Sommerfest und verabschiedet sich somit zeitverzögert in die Sommerpause.

Allen Turbine-Wohlgesonnenen eine gute Zeit und Dankeschön für euer herzensgutes Engagement!

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Text: Susanne Lepke

Fotos: Saskia und Susanne Lepke und eine unbekannte Fotografin > uF:-))