Mit dem 3. Platz verabschiedet

Spielbericht zur
AFBL-Begegnung VfL Wolfsburg gegen 1.FFC Turbine Potsdam am 12. Mai 2019

Ankunft in der Dieselstadt – der Bus ist leer (Foto: ein Wob-Fan)

Zum letzten Mal in dieser Saison 2018/19 waren die Turbinefans
unterwegs mit Feli Rauch (wie Qualm), Svenja Huth, Lisa Schmitz, Amanda
Illestedt, Melissa Kössler (Inga Schuldt und Wibke Meister). Die Strecke zum
Spielort lag diesmal im Nahdistanzbereich: Lächerliche 2,5 Stunden Fanbusfahrt bis
zur „Dieselstadt“ standen an. Wolfsburg ist berühmt für seine künstlichen
Gewässer, Glasfassaden und Betonbauten und die menschliche Leere am Abend. Eine
Pendlerstadt, in die man durchaus mal pendeln kann, wenn es sich lohnt. Und es
lohnt sich tatsächlich dann, wenn die Torbienen dort frei aufspielen.

Selbstgemachte Waldmeisterbowle von Bimbo, dem Torwart (Foto: sule)

Aufgrund dieser Nahdistanz wollten diesmal mehr Fans als
sonst per Bus anreisen, sodass eine XXL-Version dieses Gefährtes von unseren
netten Fanbusfahrern Peter und Detlef gelenkt werden musste. Diesmal ohne
Kaffee- und WC-Luxus an Bord, dafür mit selbstgemachter Waldmeisterbowle, gebraut
von unserem Star-Torwart der blauen Fanmannschaft des vergangenen Wochenendes. Nach
der Ankunft in der Stadt der vier gemauerten Schornsteine nahmen im Bus noch
zwei Bierkästen Platz, gesponsert vom Fallrückzieher-Profi Ingo, ein Turbinefan,
der ganz nah bei Wolfsburg wohnt und trotzdem nur ganz selten dorthin fährt.
Sein Herz schlägt blau, und zwar ganz lebendig und beim Anblick von Schmidti manchmal
rasend.

Unterwegs hielt der Bus einmal an einer Raststätte an, weil „der
ganze Bus Pipi musste“ (Zitat aus einem bekannten Songtext des Fanbus-Repertoires).
Danach rollte sofort der Ball über den Asphalt – und zwar immer wieder ganz galant
an der Hinterlassenschaft einer Dogge vorbei. Die Turbinefans mussten unbedingt
im Leistungstraining bleiben, denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel…!

Das grüne Fanfest

Angekommen im nicht sehenswerten Wolfsburg nahm die
Busmannschaft für ein Foto Aufstellung, um sich dann im grünen Fanfest zu
tummeln. Ein Mitglied der erfolglosen VfL-Männermannschaft hatte sich extra
fünf Minuten nach dem Training Zeit genommen, um für ein Interview auf der Fanfestbühne
bereit zu stehen. Für das sich anschließende Spiel nebst Meisterschaftsfeier reichte
seine Zeit jedoch nicht.

Aus aktuellem Anlass der Meistschaftsfeier der Damen gibt es eine Sonderausstellung (der Männer) (Foto: sule)

Dafür stolperte man alle 10 Meter über Werbeaufsteller, die
auf eine Sonderausstellung über die VfL-Männer hinwies, die vor 10 Jahren mal
Meister geworden waren. Dass die Frauen heute live und in Farbe ihre
Meisterschaftsehrung erhalten würden, versiegte unglücklich im Hintergrund. Der
Fanshop der Männerabteilung präsentierte übrigens ein unerwartet überschaubares
Angebot an Fanartikeln. Aber die Trikots mit den männlichen Spielernamen reichten
aus, um das AOK-Stadion grün zu färben.

Beim Fanfest gab es übrigens nur eine Hüpfburg (und nicht
protzige drei), keine Autogrammstunden mit den Spielerinnen und schon gar kein Fußballspiel
der Fanmannschaften, die erst recht nicht von den Wölfinnen persönlich angefeuert
oder gecoacht wurden. Es gab auch keine auf dem Rasen überreichten Fangeschenke
und keine grüngefärbten Rosen. Aber es war laut. Also VOR dem Stadion, aufgrund
der Musikbeschallung.

Verabschiedungen
gemäß Protokoll

Drinnen wohnten dem letzten Heimspiel immerhin 3.400
Zuschauer_innen bei. Aber die hörte man kaum. Keine euphorischen Meisterschaftsgesänge
der Fans vor dem Anpfiff, dafür eine immer wieder in die Kopfstimme kippende
Ansage des Stadionsprechers.

Fotocollage-Lightversion für Hansen (Foto: sas)

Nach der offiziellen Verabschiedung von sechs Spielerinnen,
u.a. Nilla Fischer, die auch euphorischen Applaus von den Turbinefans erhielt,
und nach dem Geburtstagsständchen für Babett Peter, das die Turbinefans
anstimmten und mit dem Winken von Babett gewürdigt wurde, sollte der Ball
rollen.

Blaue Schals zu grüner Hymne (Foto: sas)

Die Wölfinnen mussten nichts mehr leisten, die Meisterschaft
war bereits vor dem Spiel errungen. Deshalb blieb der Stürmerstar Ewa Pajor mit
der Nr.17 auch erstmal auf der Bank.

Die erste Halbzeit

The Queen of Energy (Foto: sas)

Das „Sie-werden-platziert-Management“ von Wolfsburg hatte
sich für Lisa Schmitz‘ Abschiedsvorstellung etwas ganz Besonderes überlegt.
Herrschte in den meisten Auswärtsstadien für die Gäste-Fans freie Platzwahl, so
wurden die über 100 Turbinefans diesmal im Stehplatzbereich hinter dem Tor (de)platziert.
Aber diese „Abseits-Stellung“ eröffnete völlig neue Perspektiven und
Möglichkeiten! 45 Minuten Ehre für Lisa Schmitz und eine starke Unterstützung
für die Potsdamer Abwehr. Mit Erfolg! Denn mit einem 0:0 ging es in einer
ausgeglichenen Partie in die Halbzeitpause, nachdem die Torbienen eine wirklich
gute, kämpferische Leistung gezeigt hatten. Es gab Torchancen für Potsdam, mit Selbstbewusstsein
wurden Zweikämpfe angenommen und die Turbinefans konnten bei dem einen oder anderen
gescheiterten Torschussversuch der zahnlosen Wölfinnen ihr „1-2-3 – und wieder
mal vorbei“ anstimmen. Eine unterhaltsame erste Halbzeit, die einfach nur Spaß
machte.

Hände weg von Sarah! (Foto: sas)

In der Halbzeitpause wurde diesmal nicht mit Fanartikel-Kanonen
auf die Fans geschossen, der „#Vielfalt-Pazifismus“ hat in Wolfsburg erfreulicherweise
Einzug gehalten.

Die zweite Halbzeit

Schmidti auf Tuchfühlung mit Pajor (Foto: sas)

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte. Ausgeglichen,
spannend, sehenswert. Doch dann wurde nach 10 Minuten Ewa Pajor eingewechselt,
deren Spielweise man nur mit herunterhängender Kiefernlade verfolgen konnte, so
verblüfft war man von deren Schnelligkeit, Zackigkeit, Courage und Abgebrühtsein.
Die mischte ihre Truppe auf, heizte sie an und brachte die Wölfinnen zum Aufjaulen.
Jetzt war Stimmung in der grünen Bude (jeweils auf dem Rasen…) und Penille
Harder nutzte einen Abstauber zum 1:0. Nun hatten die Wolfsburger Fans endlich einen
Anlass, ihre Hände zusammenzuführen, um damit ein hörbares Geräusch zu erzeugen.

Tor – und die Wölfin Nr.17 brüllt (Foto: sas)

Als Reaktion versuchte sich Sarah Zadrazil an einem
Ausgleichstreffer, aber da Almuth diesmal nicht das Tor hütete, war sie auch
nicht schuld. Es blieb aber nicht lange beim 1:0, denn Ewa Pajor musste, wollte,
konnte – einen Nachschuss zum 2:0 verwandeln, nachdem Lisa Schmitz den ersten
Torschuss noch gut pariert hatte. Dieser Doppelschlag der Wölfinnen binnen von
vier Minuten zerknickte den Stachel der Torbienen, doch die Turbinefans selbst
hatten weiterhin ihren Spaß: „Ohne Potsdam wär‘ hier gar nichts los“
skandierten sie.

3. Platz-Freude (Foto: urmel)

Die Potsdamerinnen zeigten bei ihrem letzten Spiel der Saison ihr Gesicht und deshalb konnte man sich als eingefleischter Live-Fan diese Niederlage mit Genuss ansehen und mit Stolz annehmen. Luca Graf wird zukünftig vor wichtigen Spielen in einer Fantalk-Runde „geimpft“, denn dann zeigt sie eine selbstbewusste und kämpferische Spielweise. Mindestens zwei Turbinefans waren der Meinung, dass aus ihr eine zweite Tabbi werden könne.

Als zwei weitere Auswechslungen bei den Wolfsburgerinnen erfolgten,
um den Starspielerinnen Nilla Fischer und Caroline Hansen einen ehrwürdigen Abgang
zu verschaffen, erwachten die Wolfsburger Fans und begleiteten die langanhaltenden
Umarmungsszenen mit kräftigem Applaus. Die Uhrzeiger tickten trotzdem weiter –
und ohne Nachspielzeit wurde das Spiel pünktlich abgepfiffen.

Abschiedsgruß für die grünen Fans (Foto: sas)

Während die Vorbereitungen für die
Meisterschaftszelebrierung liefen, feierten die Turbinefans das glückliche
Saisonende: Hatte doch die SGS Essen überraschend gegen den vermeintlichen Absteiger
Leverkusen verloren! Also am Ende Platz 3 für Turbine Potsdam – als reiner
Frauenfußballverein eine akzeptable Leistung. Alle Meckerer sollten an dieser
Stelle mal schweigen.

Der schale
Beigeschmack der Schale

Spieglein, Spieglein, in der Hand… (Foto: sas)

Ein paar abschließende Worte zur beobachteten Meisterschaftsfeier:
Wenn der Erfolg zur Gewohnheit wird, dämmt das den emotionalen Schwall. Vor
laufender Kamera strahlten die Spielerinnen und hüpften auf und nieder, als sie
dann aber zur Stadion-Ehrenrunde aufbrachen, wirkte die Euphorie fast wie weggeblasen.
Schleppender Schritt, Einzelaktionen, keine Rudelbildung. Aber die grünen Fans
auf der Gegengerade freute es trotzdem – und sie wurden auch von den
Spielerinnen Danksagungen bedacht. Auch eine Fan-Choreo gab es vor Spielbeginn kurz
zu sehen. Irgendwas mit „Herz“ stand da drauf. Und hohe Frauenstimmen zu hören…

Augen zu und rein (Foto: sas)

Das war’s für diese Saison, nun kehrt Fußballruhe in der
Liga ein. Entzugserscheinungen kann man mit der WM in Frankreich therapieren.

Wünsche und Termine

Wir wünschen all unseren Torbienen und Ex-Torbienen eine
gute Zeit und einen schönen Sommer. Natürlich auch den zehntausend Turbinefans
und unserem Busfahrerpärchen Peter und Detlef sowie unserem Fanfahrten-Manager
Hartmut.

Stimmung ohne Konfetti (Foto: urmel)

Am 24. Mai findet die Mitgliederversammlung des 1.FFC Turbine Potsdam statt.

Am 6. Juli steigt unser Fanclub-Sommerfest auf der Kegelbahn in Michendorf.

Wir sehen uns energiegeladen, hoffnungsfroh und gesund zur Saisonvorbereitung
der Flyeralarm-Liga wieder.

Text: Susanne Lepke

Fotos: Saskia Nafe (sas), Susanne Lepke (sus), Gunther Schmidt (urmel), eine freundliche Wolfsburger Fanfrau




Verkehrte Fußballwelt – Turbine macht’s möglich

Spielbericht zur
Fanspiel-Premiere am 5. Mai 2019 am „Karli“

Traditionell findet jedes Jahr am letzten Heimspieltag ein
Fanfest im „Karli“ statt.  Um diesem
wieder etwas mehr pralleres Leben einzuhauchen, setzten sich Vertreter des
Vereins Turbine Potsdam, Uwe Reher als Vorstandsmitglied und Stephan Schmidt
als Geschäftsführer gemeinsam mit dem Fanclub zusammen. Dabei keimte auch eine
Idee, neben Autogrammstunde, Hüpfburgen, Bratwurstgeruch und Tombola ein Fan-Fußballspiel
zu veranstalten.

Stolz und Überschwang (Foto: saspa)

Da bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier von Fanclub und
Spielerinnen der angedachte Rollentausch schon einmal perfekt geklappt hatte,
indem die Torbienen bei ihren Fans Autogramme einholten, lag nun eine ähnliche
Idee nahe: Die Fans spielen Fußball und die Turbine-Spielerinnen stehen am
Spielfeldrand und feuern ihre Fans mit Trommelklängen und Gesängen an.

Machen sie das nicht fantastisch?! (Foto: saspa)

Aber so ein richtiger Turbinefan hat natürlich auch seinen
besonderen Anspruch: Einfach nur die alten, halb verwesten Töppen herausgekramen
und ein hübsches Turbine-Trikot übergestreifen, macht noch kein Sommermärchen. Es
wurde nach professionellen Trainerinnen Ausschau gehalten und im Vorfeld zwei schweißtreibende
Trainingseinheiten durchgeführt. Jessi Viehweger, die Physio von Turbine, und
Viktoria Schwalm, eine Spielerin, die keinen Schmerz kennt, übernahmen die
Regie und schickten ihre hochmotivierten und teilweise sportbegabten Fans über
den Fußballacker des Schillerplatzes in Potsdam. Zweimal 90 Minuten lang hartes
Training mit Balltechnik, Athletik- und Konditionstraining und taktischen Inspirationen
standen auf dem Programm. Die spielbegeisterten Fans schnauften, bissen die
Zähne zusammen und jammerten erst nach Trainingsschluss zwei bis drei Tage lang
über ihren Muskelkater und leckten ihre Wunden.

Warm – wärmer – heiß! (Foto: saspa)

Uwe Reher und Bernd Gewohn hielten das Organisationszepter
in der Hand, besorgten blaue und rote Trikots, einen passablen Schiedsrichter,
der sich mit dem Abseits auskannte und Fouls hart bestrafte – und einen Ball.
Die Trainierinnen nahmen die Mannschaftsaufstellung vor, und konnten auf einen Leistungskader
von 24 Fans zurückgreifen. Alle verletzungsfrei und hochgradig fit. Einige von
ihnen waren um die 600 km weit angereist, um Teil dieses Events zu werden. Die
Altersspannweite lag zwischen 15 und 75 Jahren.

Im Stadionheft wurde freundlich auf dieses Fanspiel hingewiesen,
aber auch eine klare Regel formuliert: „Wer an den Seitenlinien über das Spiel
motzt, meckert oder sich lustig macht, der wird unverzüglich eingewechselt:)“

So sieht Einsatz aus – auch bei den Fans (Foto: saspa)

Die „3. Halbzeit“ des letzten Heimspieltages wurde gegen
16.30 Uhr angepfiffen. Es galt, 2x 15 Minuten durchzuhalten und Sehenswertes den
Zuschauern zu bieten. Und „es war erstaunlich, was die Trainerinnen in diesen
beiden Trainingseinheiten aus den spielenden Fans herausgekitzelt hatten“, so
ein adrenalinverseuchter Vertreter der roten Mannschaft.

Die Anfangsidee wurde Realität. Die Turbine-Spielerinnen umgarnten das Spielfeld, nahmen Trommeln, XXL-Taschen und Fanfaren an sich und legten spaßbegeistert los. Die Fans glaubten ihren Ohren nicht zu trauen, wie sicher in Melodie und Rhythmus die Torbienen sämtliche Fangesänge beherrschten. Es war eine doppelte, zu Freudentränen rührende Herzenssache, das Spiel- und das Fanverhalten zu beobachten. Es hatten alle Beteiligten einen Riesenspaß. Selbst ein Flitzer mit Turbinefahne wurde toleriert und die Partie nicht unterbrochen.

Und auch hier, wie auch beim Profi-Spiel zuvor, sei ganz am Rande das Ergebnis genannt: Die Roten besiegten mit 5:2 die Blauen.

Die Spielerinnen warten auf den Anpfiff der zweiten Halbzeit (Foto: saspa)

Am Ende strahlten alle. Die Trainerinnen zeigten sich hinsichtlich
der Dankesgeschenke überrascht und sehr erfreut und die Fanspieler/innen
lechzten, kaum dass sie aus ihrem Sauerstoffzelt zurückgekehrt waren, nach Wiederholung.
Man könnte doch einmal im Monat trainieren und nächstes Jahr ein erneutes
Fanspiel  ausrichten – vielleicht auch
gegen die Fans der Gäste?

Herzlichen Dank an Bernd Gewohn, Uwe Reher, Jessi Viehweger
und Tory Schwalm und an alle 24 aktiven Turbinefans nebst der „Ultrakurve“ an
Turbine-Spielerinnen für diese gelungene Aktion.

Text: Susanne Lepke

Fotos: der Papa von Saskia Nafe (saspa), Peter Tietze (peti), Susanne Lepke (sule)




Warme Herzen und weiche Knie

Spielbericht zum
letzten Heimspiel der Allianz-Frauenbundesliga: 1. FFC Turbine Potsdam gegen
den MSV Duisburg am 5. Mai 2019

Gekommen. Gekämpft. Gewonnen. Geweint.

Die Choreo des Fanclubs fasste nicht nur die Saison
zusammen, sondern passte hervorragend zu diesem letzten Heimspiel der Saison
2018/19. Über 1.800 Zuschauende waren gekommen,
um die Torbienen (und später auch die fußballspielenden Fans) kämpfen zu sehen. Turbine hat gewonnen (und Rot auch:) und die verabschiedeten
Spielerinnen wurden gegenseitig beweint.

Choreo des Fanclubs (Foto:sas)

Puh – war das ein ereignisreicher und
emotional tiefgehender Tag! Gänsehautfeeling pur!

Aber erstmal ruhig eingeatmet und dann step by step:

Die Vorbereitungen
auf den letzten Heimspieltag

Aus der Sicht des Fanclubs galt es sehr viel vorzubereiten:

  1. Ein gemeinsamer Ausflug am letzten Heimspieltag, diesmal eine Dampferfahrt, musste organisiert werden.Danke, Bea, Danke!
  2. Danke auch an die 29 mitschippernden Fans!
  3. Die Choreo für den Fanblock D musste kreiert werden: „Gekommen. Gekämpft. Gewonnen. Geweint. Danke für euren Herzenseinsatz!“, so lautete das Motto.  Und blau-weißes Konfetti musste besorgt und später wieder mühsam zusammengefegt werden. Danke, Mini und Caro, Danke!
  4. Blau-weiße Rosensträuße mussten besorgt werden. Danke, Daggi, Danke!
  5. Gerahmte Foto-Collagen mussten in diversen Größen nächtelang aufopfernd gebastelt und geklebt werden. Danke, Marina, Danke!
  6. Nebenbei sollten auch all die Geburtstagskinder der Mannschaft bedacht werden. Danke, Marina, Danke!
  7. Es sollte Berliner Kinder in der Halbzeitpause Hip Hop tanzen. Danke, Daggi, Danke!
  8. Das Tippspiel musste vor Spielbeginn organisiert werden. Danke, Peter und Renate, Danke!
  9. Die Tombola-Lose mussten beim Stadioneinlass an all die potenziell Glückseligen verteilt werden. Danke, Manu, Frank und Mandy, Danke!
  10. Die teilnehmenden Fußballschütz_innen für das Spiel in der Halbzeitpause mussten benannt werden. Danke, Bea, Danke!
  11. Ein Interview mit einem französischen Journalisten von der Zeitung „Le Monde“, der sich in Vorbereitung auf die WM als deutschen Vertreter extra Turbine Potsdam ausgewählt hatte, musste durchgeführt werden. Danke, Susi, Danke!
  12. Für das Fan-Spiel: Blau gegen Rot musste im Vorfeld zweimal hart trainiert und sich später warm gemacht werden, um sportlich fit auflaufen zu können. Danke, Bernd, Danke! Danke, Jessi und Tory, Danke! Danke, Peter und Uwe, Danke! Danke, ihr 12 Blaue und 12 Rote, Danke!
  13. Und all diese Aktionen mussten zu einprägsamen Bildern werden. Danke, Saskia, Danke!

Die Foto-Collagen-Schöpferin Marina (Foto: sule)

Da kam man kaum zum Atmen, es war eher ein „Aaa—tem—los–durch-den-Tag!“ Deshalb wird es diesmal zwei Berichte geben:

  • einem herkömmlichen zum AFBL-Spiel an sich, mit all dem Abschiedsschmerz
  • und einen zum Spiel nach dem Spiel, bei dem sich 24  Turbinefans auf dem Kunstrasen nebenan gesellten und die Turbine-Spielerinnen das anfeuernde Trommeln übernahmen – also ein Rollentausch:-)

Stimmungsschwankungen

Immer mit dem Herzen dabei – die Turbinefans (Foto:sas)

Die Stimmung vieler Turbinefans lag an den Tagen zuvor mit
jeder weiteren öffentlichen Bekanntgabe von Abgängen im Keller. Turbine-Untergangsstimmung
machte sich breit. Insgesamt sieben Spielerinnen galt es an diesem 5. Mai zu
verabschieden. Das erzeugte Frust, Trauer – und auch Besserwisserei, vor allen
Dingen in den sozialen Medien. Trostgefühle hätten ein Blick nach Bayern
erzeugt, denn dieser „Geldverein“ muss 9 Abgänge verkraften. Das Geld nicht
alles ist, konnten alle Menschen, die am 5. Mai im Karli dabei waren, ganz tief
spüren. Man kann einen Slogan in einer Werbeagentur profimäßig konstruieren,
z.B. „Turbinefamilie“, man kann aber auch nichts sagen und es einfach leben!

Per Dampfer unterwegs im Tränenmeer

Dampferfahrt (Foto: ins)

Der Start in den letzten Heimspieltag erfolgte mit einem
Fanclub-Ritual: einem gemeinsamen Ausflug der Fanclub-Mitglieder, diesmal eine
Dampferfahrt. Erstaunlich schönes, wenn auch frisches Sonnenwetter begleitete
die Wasserfahrt vorbei an den traumhaften Schlössern der Landeshauptstadt. Die
Havel stellte jedoch eher ein Tränenmeer dar, das die Fans durch die Trauer um
den Abschied von Svenja Huth, Feli Rauch, Lisa Schmitz, Amanda Illestedt, Inga
Schuldt, Wibke Meister und Melissa Kössler begleitete. Wie sollte es
weitergehen mit Turbine?! Drei deutsche Nationalspielerinnen sollten in Zukunft
ihrer Wege gehen, und bisher nur zwei bekanntgegebene Neuzugänge sollten die
klaffenden Lücken füllen. Nicht von Aderlass, sondern vom Ausbluten des
Turbine-Vereins war die Rede! Aber das moderne Schiff „Schwielowsee“ der Weißen
Flotte ging nicht unter, dank moderner Energiezuführung.

Manche Fanclub-Mitglieder verzichteten auf die Dampferfahrt,
um pünktlich bei Stadionöffnung ihren Mann oder ihre Frau zu stehen, damit die
Tombola-Lose und Gewinnspiel-Karten allen Zuschauenden ausgeteilt werden
konnten. Der Turbine-Nachwuchs hatte einen leckeren Kuchenbasar aufgebaut. Das
Fanfest auf dem Platz hinter dem „Karli“ startete und sämtliche Hüpfburgen
wackelten bereits. Und die Sonne schien immer noch, trotz entgegengesetzter
Wetterprognosen.

Abschiedsszenario

Und dann wurde das Verabschiedungsszenario eingeläutet. Der
Vorstand von Turbine-Potsdam akquirierte in Ermangelung anwesender Vorstandsmitglieder
spontan einige Turbinefans, die die Überreichung der Abschiedsgeschenke des
Vereins unterstützen sollten. Gerne doch! Auch der Fanclub reihte sich, reich
bepackt mit XXL-Foto-Collagen und blau-weißen Rosensträußen, in das Umarmungs-
und Tränen-Wegwisch-Szenario ein. Am Ende entstand ein hübsches Gedenkfoto, und
die warmherzigen Worte des Vereinspräsidenten Rolf Kutzmutz garnierten das
Gesehene.

Verabschiedung durch Vorstand und Fanclub (Foto:sas)

Mit Volldampf in die
1. Halbzeit

Dann ertönte der Anpfiff, der fast im Emotionenwald unterging.
Duisburg war zu Gast und hatte den Kampf gegen den Abstieg vor Augen. Potsdam
wollte weiterhin den 3. Platz verteidigen. Das bedeuteten also analoge Ausgangsbedingungen
wie eine Woche zuvor gegen Leverkusen…

Auch einige echte Duisburger Fans waren aus der
Ruhrpott-Ferne angereist – Respekt! Deren Trommelschläge und Anfeuerungsrufe
waren auch ab und zu gut zu hören.

Engagiert hoch zehn (Foto:sas)

Die Torbienen schienen jedoch heute neben dem sportlichen Ziel noch etwas Anderes zu motivieren: ein positives Abschlusserlebnis für die abgehenden eigenen Spielerinnen zu schaffen und den Fans mit einer guten Abschiedsvorstellung Danke zu sagen. Und diese Art von Motivation verlieh Flügel! Die Torbienen schalteten ihren Turbinenantrieb sofort auf Hochtouren und spielten fast nur in einer Hälfte. Die Torchancen reihten sich wie Perlen auf einer Kette aneinander – nur wurden sie nicht genutzt.

Mit voller Kraft voraus (Foto:sas)

Aber darüber sahen die Fans heute schwelgend hinweg, denn die Turbinewelle schwappte und schwappte gegen das Duisburger Tor. Und dann, ja dann ergoss sich eine dieser Wellen direkt hinein in das Netzgehäuse, ausgelöst von unserem Dampflökchen Svenja Huth, der es tatsächlich in der 26. Minute gelang, ein Abschiedstor im heimischen Stadion zu kreieren!

Das passt gleich (Foto: sas)

Und schon tuckerte die Dampflok durchs „Karli“, das vertraute „Sch-sch-sch – Huth! Huth!“ ertönte im Fanblock. Svenja versprach im Nachhinein, diesen Torjubel-Lobgesang in ihrem Herzen mitzunehmen und als den echten zu bewahren, falls die Wolfsburger Fans diesen kopieren sollten. Ein entspannt erscheinendes Spiel entspann sich weiterhin. Wie schön, wenn man während einer solchen Abschiedspartie Zeit zum Feiern hat – und nicht zittern muss!

Gefeiert wurde auch in der Halbzeitpause – mit dem Ballschieß-Wettbewerb in Richtung Anstoßpunkt und mit einem Tanzauftritt von Berliner Hip Hop- Kindern.

Eine zweite Halbzeit
mit viel Herz und Hoffnung

Auch die zweite Halbzeit hatte aus Potsdamer Sicht ihren Reiz. Die Torbienen spielten weiterhin munter auf. Eine variable Spielweise beim Spielaufbau und im Angriff konnte beobachtet werden, mal durch die Mitte, mal über die Flügel. Die Torbienen hatten die Zebras gut angeleint. Alles lief wie am Schnürchen – ein Fußballfest. Und dann hüpfte Jojo Elsig nach einem kurz mal hoch und netzte per Kopf ein: 2:0! Zu Recht!

Tor durch Jojo Elsig (Foto: sas)

Und weil Jojo Elsig, die nach Huths Auswechslung die Kapitänsbinde übernahm, zeigen wollte, wo in Zukunft der Hammer hängt, hüpfte sich 18 Minuten später gleich nochmal hoch und erzeugte damit viele Freudenhüpfer bei den Fans und natürlich ihrer Mannschaft. 3:0 – so auch der Endstand! Jojos Doppelschlag wurde am Ende mit der Ehrung zur „Besten Spielerin“ gekürt und Feli Rauch (wie Qualm) nutzte diesen Vorgang schamlos aus, indem sie den Siegersekt in alle Richtungen versprühte.

Aber kurz nochmal zurückgespult in die letzten 10 Minuten des
Spiels. Diese gehörten nämlich wieder dem Herz des großartigen
Frauenfußballsports in Potsdam. Nacheinander wurden in Drei-Minuten-Takt die Spielerinnen
Feli Rauch, Amanda Illestedt und Svenja Huth ausgewechselt, sodass jede in den Genuss
kam, ihren stehenden Sonderapplaus abzuholen. Dankes-Gesänge erschallten von
den Fanrängen – emotional tiefgehende Minuten. (Und der stumme innere Trost der
Turbinefans, die sich am nächsten Sonntag zum letzten AFBL-Spiel in die Höhle
des Wolfes aufmachen werden, dass man diese verabschiedeten Spielerinnen alle
noch einmal wiedersieht.)

Nach diesen drei Auswechslungen (die geforderte vierte
Ausnahme-Auswechslung von Lisa Schmitz überhörte die Schiedsrichterin unbeeindruckt)
stand nun die Mannschaft der Zukunft auf dem Platz. Ganz besonders erfreulich
war dabei der Fakt, dass die langzeitverletzte Nina Ehegötz eingewechselt
wurde, sodass „Abschied und Willkommen“ in diesem Moment ganz eng beieinander
wohnten. Ja – und diese Mannschaft der Zukunft spielte richtig gut! Der Anblick
erzeugte ein wohlwollendes Bauchgefühl, einen ganz fetten Hoffnungsschimmer!

Nina wird nach langer Verletzungspause eingewechselt (Foto:sas)

Schlusspfiff

Potsdam verteidigte den 3. Platz und Duisburg feierte trotz
der Niederlage den Klassenerhalt. Aber das alles nur am Rande…

Klassenerhaltstänzchen (Foto: sas)

Lisa Schmitz meinte in einem Interview, dass sie ganz
besonders die Fans, die tatsächlich einmalig wären mit all ihren Aktionen und Geschenken,
nirgendwo wiederfinden würde. Wer bekommt auch schon eine Laugenbrezel zum
Abschied geschenkt, nicht wahr, Lisa? Aber das ist ein ebay-Insider. Danke, Lisa,
Danke!

Die Geschenkebeauftrage Marina hat das Wort (Foto:sas)

Aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel! Eine dritte Halbzeit sollte gleich auf dem Fußballplatz hinter dem „Karli“ starten: Fanmannschaft Blau gegen Fanmannschaft Rot – im Rahmen des Fanfestes – und angefeuert von trommelnden Turbine-Spielerinnen – ein Rollentausch herzhafter Art. Dazu lest den extra Bericht (folgt demnächst)!

Text: Susanne Lepke

Fotos: Saskia Nafe (sas), , Ingrid Schröder (ins), Daniel (dan),
Susanne Lepke (sule)

07.Mai 2019




Wichtige Informationen zum Wolfsburg-Spiel am 12. Mai

AOK-Stadion in Wolfsburg

Für die Fanbus-Reisenden (diesmal im XXL-Bus mit 67 Plätzen ohne wässrigen Luxus aller Art, d.h. kein Kaffee, kein WC an Bord) werden die Eintrittskarten von unserem hochorganisiertem Fanbuskoordinatoren Hartmut zentral geordert. Wir werden im Sitzplatzbereich S2 platziert, ebenso wird der Sitzplatzbereich S1 den Turbinefans zugewiesen.

Kosten: 8€, nur Vollzahler-Tickets möglich, das Eintrittsgeld wird im Bus eingesammelt

Abfahrtzeiten: 9.15 Uhr ab Potsdam Hbf., 9.30 Uhr ab Michendorf

Rückfahrt: 17.00 Uhr ab Wolfsburg

Achung: Wer nicht mit dem Fanbus anreist, muss sich die Eintrittskarte selbst kaufen. Entweder im Onlineshop des VfL oder telefonisch im Service Center: 05361 8903 903.

iIm Hinspiel gegen Wolfsburg (1:1) wurde Vanessa Fischer zur „Besten Spielerin“ gekürt.




TURBINE- FANTALK

Die Saison 21018/2019 neigt sich dem Ende zu.
Trotzdem möchte der 1. FFC Turbine Potsdam vor dem letzten Spiel gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Sonntag allen Fans die Möglichkeit geben, mit zwei Spielerinnen intensiver zu sprechen.

Klara Cahynova und Luca Maria Graf werden die Fragen zu ihrer Entwicklung, zu den Saisonerfahrungen, zum kommenden TOP-Spiel beantworten.

Stattfinden wird diese Veranstaltung am 09.05.2019 ab 19.00 Uhr in der Trattoria Toscana in Potsdam, Zeppelinstr. 136.
Einlass: ab 18.30 Uhr

Fotos: Peter Tietze, Stephan Geisler, Stefan Blumenthal




Des einen Leid ist des anderen Freud

Spielbericht zur
AFBL-Begegnung von Bayer Leverkusen gegen 1. FFC Turbine Potsdam am 28.04.2019

Sonntag, 5.30 Uhr – alles schläft, nur einer fährt. Der
Fanbus.

Das Gefährt machte sich am drittletzten Spieltag der Saison
2018/19 auf den Weg zur Verteidigung des 3. Tabellenplatzes, diesmal in
Leverkusen. Den Gastgeberinnen stand das Abstiegswasser bis zum Hals, also Flut
statt Ebbe. Die Potsdamerinnen konnten dagegen mit einem Drei-Punkte-Vorsprung zum
4. Platz entspannt aufspielen, also Ebbe statt Flut. Die Quellen der Motivation
sprudelten somit unterschiedlich stark.

Logo

Aktive Pausengestaltung

Bevor jedoch der Anpfiff auf dem Nebenplatz hinter der
Bayarena ertönte, packten die Frühaufsteher_innen diesmal an jedem
Raststättenhalt einen echten Fußball aus und übten das Kurzpassspiel – und das sogar
bei Regen. Während der Park-Durchreiseverkehr durch Daggi energisch geregelt
wurde, um auch die Straße als Spielfläche fremdnutzen zu können, beteiligten
sich viele Turbinefans im Alter von 15 – über 80  Jahren am Techniktraining. Als Außenstehende
hätte man meinen können, dass der der VfL Arthrose 1895 gegen den FC Gicht 1905
hier alles gab.  Es war ein
unterhaltsames Unterfangen, dass die Launen erheiterte und die Vorfreude auf
das echte Fußballspiel steigerte. Vielleicht sollte diese Ball-Mitnahme im
Fanbus zum Ritual werden?

Auch die Busrunden in Form von diversen Getränken aufgrund
von Geburtstagen und Goldenen Hochzeiten erheiterten die Gemüter. Und leckere
Fischrogen-Crepes eines Fans, der nebenbei eine Fischzucht betreibt.

Und eine Ansage der reizenden Busfahrer entzückte die
Reisenden: „Wir bleiben so lange sitzen, bis wir stehen.“ Gemeint war, dass alle
Passagiere so lange sitzen bleiben, bis der Bus eingeparkt hat.

Ankunft in Leverkusen

Bayarena Leverkusen (Foto: sule)

Nach einem geduldigen Schlangestehen vor dem Kassenhäuschen
vor der Bayarena, das von einer Dame mit sehr ruhigen Bewegungsabläufen
bewirtschaftet wurde, wurde den angereisten Turbinefans Einlass gewährt – mit
Ausnahme von Schalmeien, Edding-Stiften und Fotoapparaten ab einer bestimmten
Objektivgröße.

Schlangestehen am Kassenhäuschen (Foto: sule)

Der Laune tat das keinen Abbruch, schließlich schien (noch)
die Sonne im Ulrich-Haberland-Stadion. Fast 500 Zuschauer_innen zeigten ein
Frauenfußballinteresse, darunter fast 100 heimische und auswärtige Turbinefans.
Für Leverkusen bedeutete das eine stattliche Besucherzahl. Und für Anna Gasper,
Jojo Elsig und Lisa Schmitz (im kärglichen Stadion-Faltblatt als Lida
Schmitz ausgewiesen…) bedeutete das ein Wiedersehen beim ehemaligen Verein.

Auf geht’s, Potsdam!

Und los ging’s mit dem Spiel um den 3. Platz bzw. gegen Abstiegskampf. Beide Seiten begannen frisch und frei und bereits in der 6. Minute klingelte es im gegnerischen Tor. Was fast wie ein Außennetz+Tor aussah, entpuppte sich als ein Abstaubertor durch Lara Prasnikar.

Diese fungierte diesmal nicht als Joker, sondern stand von Anfang an auf dem Platz. Das war ein perfekter Start im Sinne der 4‘/5/6:0-Tipps, die die euphorischen Turbinefans im Vorfeld abgegeben haben. Nach dem einige Minuten ins Land zogen, stimmten die Fans das „Wo bleibt denn das 2:0?“ an. Die Antwort auf diese Frage ließ auf sich warten, sehr lange … – und blieb am Ende unbeantwortet. Denn nichts Berichtenswertes passierte im weiteren Verlauf des Spiels.

Manche Fans vor Ort behaupteten sarkastisch, dass Potsdam schwach begonnen und dann stark nachgelassen hätte… Fakt war, das die Turbinen durchaus Bemühungen zeigten, Zweikämpfe annahmen, gut über die Flügel spielten und jede Menge Laufdaten für ihre digitalen Speicherbänder unter den Trikots sammelten. Besonders in der ersten Halbzeit wirkten sie spielbestimmend. Aber sie scheiterten allzu oft am finalen Pass vorm Tor, zu oft verebbte der Angriff im gegnerischen Strafraum. Auch die Frei- und Eckstöße blieben ungenutzt. Erwähnenswert war noch ein Pfostentreffer durch Svenja Huth.

Seitenwechsel

Leverkusen startete nach dem frühen Rückstand kampfeswillig
in die zweite Halbzeit und bildete erneut einen Motivationskreis. Immerhin
stand es unverändert nur 0:1, das gab Hoffnung und Mut. Und die Gegnerinnen
steckten nicht auf, denn die Motivation, gegen den Abstieg kämpfen zu wollen,
war spürbar. Und die Spielführerin Ivana Rudelic (ehemals JUSV Jena) mobilisierte
ihre Mannschaft unentwegt mit lautstarken Worten. Der Co-Trainer am Rande ebenso.
Der Sprechanteil zwischen Heim- und Gästetrainer lag bei 90 zu 10 Prozent.

Auch diesen Torversuch abgewehrt (Foto: sas)

Und dieses Engagement, dieses Nicht-Aufgaben-Wollen, wurde
dann tatsächlich in der 92. Minute belohnt, als Rudelic knallhart nach einem Konter
einnetzte. Potsdam hatte sich vorher mit unzählbaren, mehr oder minder
durchdachten Angriffszügen erfolglos um ein zweites Tor bemüht. Dieses Remis wirkte
am Ende gerecht, auch wenn Potsdam die spielbestimmende Mannschaft war.

Rudelic inmitten des Rudeljubels (Foto: sas)

Respekt für Leverkusen

Die anwesenden Fans waren nach diesem Ausgleichstreffer emotional
zwiegespalten. Zum einen herrschte Frust aufgrund der Spielqualität und
Erfolglosigkeit, die konträr zur eigenen Erwartung lag. Zum anderen erblühte die
Anerkennung gegenüber der Leverkusener Mannschaft, die für ihren unermüdlichen Kampfeswillen
am Ende belohnt wurde. Da gab es vom gesamten Potsdamer Fanblock einen Applaus
für die Gastgeberinnen, die sich daraufhin freundlich und überrascht bedankte.
Auch Rudelic‘ Hände wurden mehrfach von Potsdamer Fans geschüttelt.

Das Leverkusener Team winkt den Turbinefans zu

Natürlich zollten die Turbinefans auch ihrer eigenen
Mannschaft am Ende einen Applaus, aber weniger euphorisch und der eine oder
andere Disput zwischen Fan und Spielerin entspann sich. Insofern war das verständlich,
wenn man berücksichtigt, dass sich die mitreisenden Fans zwei
aufeinanderfolgende Nächte halb um die Ohren geschlagen hatten, um ein
torreiches Spiel gegen einen vermutlichen Absteiger zu erwarten.

Nun ist der Abstand zwischen dem dritten und vierten Platz
auf ein Pünktchen geschmolzen. Ob dieser Fakt ausreichend motivierend für die
beiden verbleibenden Spielen wirken wird, bleibt fraglich. Vielleicht wirkt es
motivierender, wenn man als Spielerin beobachten muss, wie die eigenen Fans der
gegnerischen Mannschaft begeistert applaudieren.

Einfach zum Ins-Gras-Beißen

Schmerzvoll, aber sportlich fair. Des einen Leid ist des
anderen Freud.

Letztes Heimspiel und anschließendes Fanfest

Am 5. Mai steht das letzte Heimspiel dieser Saison an – gegen den MSV Duisburg. Die treuen Fans werden natürlich wieder mit neuer Hoffnung – und Erwartung – ihre Torbienen anfeuern. Anschließend wird der Spieß dann umgedreht, wenn im Rahmen des Fanfestes auf dem Nebenplatz des „Karl-Liebknecht-Stadions“ die heißgeliebten Spielerinnen auf den Zuschauerrängen Platz nehmen, um das Duell zweier Fan-Mannschaften anzufeuern. Trommeln, Ratschen und Tröten werden gerne von den Fans zeitweise ausgeliehen.

Auch steht neben diesem Fan-Fußballspiel eine Tombola, eine
Autogrammstunde, Musik und Moderation auf der Festordnung. Also kommt
zahlreich, liebe Turbinefans!

Text: Susanne Lepke
Fotos: Saskia Nafe (sas), Susanne Lepke (sule)

Alle Fotos der Galerie von Saskia Nafe – wie immer herzlichen Dank!





Umfrage zur Fankultur

Hallo, liebe Turbine-Fans,

am vergangenen Sonntag war ich bereits bei Euch im Stadion und habe meine Umfrage im Rahmen meiner Masterarbeit zum Thema Fankultur im Frauenfußball durchgeführt. Um so viele Teilnehmer_innen wie möglich zu bekommen, bitte ich alle Interessierten, der Umfrage online über den folgenden Link zu folgen:

https://ww2.unipark.de/uc/HH_201/616e/

Schöne Grüße und vielen Dank!

Laura Nipper




NUR SECHS AUF EINEN STREICH

Spielbericht zur Partie der Allianz-Frauen-Bundesliga – 1.FFC Turbine Potsdam gegen Borussia Mönchengladbach

Im Vorfeld wurde schon gefragt, ob denn das Karli zu Ostersonntag überhaupt voll werden würde.
Osterferien, Ostern mit Familie, strahlender Sonnenschein und Temperaturen über 20 °C sprachen eigentlich dagegen. Aber was gibt es für einen Fan Besseres, als bei schönem Wetter, die Turbinen anzu(feuern)?
In den Park kann man auch an anderen schönen Wochenenden gehen. Dies sagten sich eventuell auch die 1164 Zuschauer, die nach der Teilnahme am Tippspiel euphorisch mit einer hohen Torausbeute rechneten.

Das Spiel – 1. Halbzeit
Keiner rechnete damit, dass die Mönchengladbacher Spielerinnen so früh zu einer Torchance kamen. In der 12. Minute konnte Lisa das Gegentor verhindern.
Vielleicht lag ja auch die Ursache in der lautstarken Unterstützung durch eine kleine Gruppe Borussen-Fans aus Berlin begründet?

Die Turbinen kamen schwer in Gang, wir Fans wurden schon langsam unruhig, da ja gegen den Tabellenletzten jeder eine torreiche Partie erwartete. Erlöst wurden die Fans erst in der 30. Minute, als Sarah nach Vorlage von Svenja den ersten Ball im gegnerischen Netz versenkte. Gina erhöhte kurz danach auf 2:0.

Halbzeitpause
Auch diesmal gab es das Ballschuss-Duell zwischen zwei Fans. Es gewann diesmal Saskia, aber auch der der Zweitplazierte Enno, der mit Vater und Kumpels ins Karli gekommen ist, erhielt seinen Preis: ein Paar Fussballschuhe einer Turbine.

Wer von den Fans (auch die ohne Mitgliedschaft im Fanclub) Ambitionen hat, diese Halbzeit-Aktivität mitzumachen (die es hoffentlich auch noch in der nächsten Saison geben wird) meldet sich doch einfach mal über die Kontaktadressen des Fanclubs Tubinefans e.V. , oder sprecht Fans im Stadion an. Bestimmt weiß jemand, wo wir zu finden sind.
Dies war etwas Eigenwerbung für den Fanclub!

Kontrolle des Ball-Abstandes zum Anstoßpunkt – Foto(bea)

Das Spiel – 2. Halbzeit
Sie begann doch etwas überzeugender, das Spiel bewegte sich fast immer in der gegnerischen Hälfte.
Nach dem Torschuss von Svenja ertönte das lang vermisste „Dampflökchen“ – Tsch, Tsch, Tsch, Huth, Huth

3 Minuten später zeigte, die nach der Pause eingewechselte Lara ihr Können. nach Vorlage von Anna stand sie richtig und brauchte nur noch einzuschieben. Wie eine Kopie landete 2 Minuten später, nach Vorlage von Anna, der Ball wieder im Tor. Wieder war es Lara.

Die Mädels sahen deutlich entspannter aus, mit den 5 Toren im Rücken.
Dies traf auch auf die Fans auf der Tribüne zu. Wir widmeten uns weniger dem Spielgeschehen, als den Aktivitäten der Linienrichterin auf unser Seite. Bei ihr konnten wir die Abseitsentscheidungen (sprich: das Fahne-Heben) überhaupt nicht nachvollziehen.
Die im Minutentakt erspielten Torchancen endeten im Fahne-Heben. Wir haben nachher schon gar nicht mehr mitgezählt. Abseits sah sie nicht, aber sobald eine Turbine in Tornähe kam, war die Fahne wieder oben.
Tori schaffte es aber kurz vor Ende der Partie , sich mit dem 6:0 zu belohnen.

Player(in) of the match wurde Anna, obwohl sie keinen Ball im Tor versenkte, gab sie aber viele Vorlagen, hatte auch einen Pfostenschuss und war während des gesamten Spiels präsent.
Sie durfte nach ihrer Preisverleihung den Gewinner des Tippspiels ermitteln. Aus 12 richtigen Tipps zog sie Daggis Karte. Der Gewinn – ein Trikot von Feli, sah zwar recht lütt aus, passte ihr aber dennoch.

Ein schöner Ostersonntag, 3 Punkte erspielt, Tabellenplatz 3 verteidigt, den
Vorsprung zum nächsten Verfolger (dank dem 2:2 der SGS Essen gegen den SV Werder Bremen) auf 3 Punkte erhöht und es war schön, mal wieder viel Spielfreude bei den Turbinen zu sehen.

Nächsten Sonntag geht es um 05.30 Uhr wieder auf große Reise mit dem Fanbus nach Leverkusen.

Text: Beatrice Martens
Foto: Saskia Nafe(sas), Beatrice Martens(bea)




Kindergekreische und ein hupender Zug – Turbine besiegt mit aller Kraft den SC Freiburg

Spielbericht zur Frauen-Bundesliga SC
Freiburg gegen Turbine Potsdam am 14. April 2019

Frauenfußball
in Freiburg ohne Fanbus – aber mit Fans! 1600 Kilometer an einem einzigen Tag
hin- und zurückzufahren, vermag weder Bus noch Fan. Aus diesem Grund rollt nie
ein Fanbus nach Freiburg, was aber den einen oder anderen eingefleischten
Turbine-Fan nicht davon abhält, per Zug oder privaten PKW, z.B. in einem Skoda…
zu steigen, um sich auf den weiten Weg zu machen.

Mit einer
Übernachtung im Schwarzwald – ähh – Schwäbischen – ähh – doppelt sorry! – im Südbadischen,
intensiviert solch ein Wochenendausflug das gemeinsame Fanerleben. Und wer eine
Reise macht, hat auch etwas zu erzählen…

Die Anreise

Startfoto am Potsdamer Hauptbahnhof (Foto: Reisegruppe Blau)

Die 11 Turbinefans,
die sich für die Fahrt einem Kleinbus mieteten bzw. per Skoda reisten, wurden nach
einstündiger Fahrt von rot leuchtenden Motorschadenhinweislämpchen ausgebremst.
Der Skoda wollte nicht direkt nach Freiburg, sondern „seine Freunde“ im
Skoda-Autohaus in Dessau besuchen. Der gewünschte neue Rußpartikelfilter stellte
für die flexibel Autowerkstatt kein Problem dar. Auch die sich währenddessen am
Skoda-Frühstücksbuffet labenden Turbine-Fans nicht, die ein Schnitzelchen und
Kuchenstückchen nach dem anderen in ihre Münder schoben. Neben netten Gesprächen
und einer flinken Reparatur gab es am Ende noch zwei Flaschen Autohaus-Sekt als
Reisproviant vom Autohaus geschenkt. Ja, wer eine Reise macht, hat etwas zu
erzählen.

Skodafahrerin mit giftgrüner Trostbrille (Foto: Reisegruppe Blau)

Den weiteren
Reiseverlauf stoppte dann nur noch Bouletten und Kartoffelsalat nach delikater Hausmacherart
und ein Blick vom Aussichtsturm auf die Frankfurter Skyline an der Raststätte „Taunusblick“.

Der Vorabend

Am frühen
Abend erreichte die „Reisegruppe Blau“ ihre Herberge, das „Hotel Helene“.  Kurz danach kehrte sie mit der Freiburger
Straßenbahn zum Spätzle- und Brägele-Essen in einem urischen „Anker“-Restaurant
ein. Bier und Fleisch der benachbarten Brauerei „Ganter“ und Metzgerei „Kindle“
mundeten hervorragend – und die Kinderschnitzel gab es nur in der Zwillings-Variante.
Die Welt stand Kopf und der volle Magen auch– und so durfte das eine oder
andere Schnitzel aus der Gaststätte styroporumhüllt hinausspazieren  .

Abendessen auf Südbadisch – und auf keinen Fall auf Schwäbisch (Foto: Reisegruppe Blau)

Die Party
auf Zimmer 24 erheiterte all diejenigen, die nicht währenddessen einschliefen, ungemein.
Und spätestens, als das Elfmeterschießen von Getafe angeschaut wurde, schlug
auch der letzte Partygast seine Äuglein wieder auf.

Sonntagsvormittagsspaziergang

Am Sonntag
sollte der Anpfiff um 13.00 Uhr im Mösle-Stadion ertönen. Es blieb noch
ausreichend Zeit zwischen Frühstück und Freiburger „Fußball-Braten“. So konnte
man mit einer früheren Fußballspielerin der Region, die zufällig im selben
Hotel wohnte, über ihre alten Zeiten plaudern, als sie damals 2003 gegen
Turbine Potsdam gespielt hatte. Und die „Reisegruppe Blau“ nutzte das Zeitfenster,
um einen Spaziergang in der historischen Altstadt von Freiburg zu unternehmen.
Nachdem sich auch die Reiseleiterin Alina von der historischen Säule des sehenswerten
Marktplatz-Hauses losgeklammert hatte, orientierte man sich nun auf den eigentlichen
Anlass der Reise: „Da, wo ihr spielt, sind wir.“

Kein Fake – Alina klammert (Foto: Reisegruppe Blau)

Die Stadionatmosphäre

Auf ging’s ins
Mösle-Stadion, das in der Regel immer um die 1000 Zuschauer_innen besuchen. So
auch an diesem ungemütlichen, nasskalten April-Sonntag, der absolut untypisch
für die sonnenreichste Region Deutschlands war.

Fanfahnen in trauter Nachbarschaft (Foto: Reisegruppe Blau)

Das Trommeln
und Ratschen ist hier nicht gestattet. Mittlerweile haben sich die Turbinefans
mit dieser Leise-Sein-Regel still arrangiert. So zogen sie sich immer mal
wieder die Handschuhe aus, wenn sie klatschen wollten. Aber das Maskottchen wurde
eingelassen – und Banner sowie Fahnen auch, also blieb die gute Laune ungetrübt.

Kurz nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit (Foto: Reisegruppe Blau)

Man fand im
Möslestadion zueinander: Die Zugreisenden, weitere PKW-Reisende, die Eltern von
Anna Gasper und Turbinefans aus der Region. Der Reporter wünschte sich vor
Spielbeginn ein Briefing, um die pinkfarbenen Zuschauer_innen am Telekom-Bildschirm
mit wichtigen Fakten versorgen zu können. Und alle Zahlen, ob die 800 km
Entfernung, die Anzahl der anwesenden Turbinefans oder das Motto des Fanbanners
– trug er unverfälscht in die Medienwelt weiter.

Es herrschte
eine sehr freundliche Stimmung im Stadion – ob Ordner, ob Freiburger Fans, ob
Stadionsprecher. Und der letztere bewahrte sich das gemächliche Tempo nach
einheimischer Art, sodass die Turbinefans ganz genüsslich die
Spielerinnen-Namen mitbrüllen konnten. 
Nur die Freiburger Fans sollten die Namen ihrer Spielerinnen noch
lernen. Schon allein, damit Lena Lotzen euphorisch begrüßt werden kann, wenn
sich nach einem halben Jahr Verletzungspause (beim Hinspiel gegen Potsdam) erstmals
wieder auf dem Platz stand.

Humor auf beiden Seiten (Foto: sas)

Was an
dieser Stelle überhaupt nicht ignoriert werden sollte – und konnte! – war das
Tinnitus-auslösende Etwas an der rechten Ohrseite. Neben dem Turbine-Fanblöckchen
saß ein kreischender Kinderchor von ca. 6-9-jährigen Mädchen, die das Spiel wirklich
aufmerksam verfolgten. Obwohl keine Boygroup auf dem Rasen stand, ging das
Gekreische sofort los, sobald sich der Hauch einer Torchance anbahnte. Und wenn
das Spiel dahinplätscherte, wurde immer wieder von vorn die Zahl 1-10 in einem Kinder-Fußball-Vers
abgezählt. Es nervte – aber i der zweiten Halbzeit wurde etwas ruhiger – und die
Eltern hatten am Sonntagabend vermutlich ihre Ruhe, da die Töchter nun ausgepowert
und heiser waren.

Die erste Halbzeit

Nun zum
Spiel: Die Mission, das Saisonziel „3.Tabellenplatz“ erreichen zu wollen, galt
ungehindert. Nach dem Selbstvertrauen schenkenden 5:0-Sieg gegen Bremen wollte
man heute mit wichtigen drei Punkten den derzeitigen 4. Platz verlassen.

Sie wird ihre Aufgabe gut machen (Foto: sas)

Jedoch spürte
man das beim Zusehen der ersten Halbzeit nicht.

Die Turbinen
erschienen etwas energielos und immer wieder wurde der Angriff durch die Mitte
geprobt und ausgebremst. Es gab für die Potsdamerinnen nur wenige Torchancen –
und zum Glück nutzten die Freiburgerinnen ihre viel größeren Chancen auf den Führungstreffer
nicht. Einen Anteil an dem „Unglück“ der Freiburgerinnen hatte dabei Lisa
Schmitz, die nach langer Zeit mal wieder das Potsdamer Gehäuse hüten und sich
hinsichtlich der WM-Ticket-Nominierung von der besten Seite zeigen durfte.

Einfach mal mittendrin den Schuh anziehen (Foto: sas)

Svenja Huth
setzte in der 4. Spielminute einen Torschuss an den Pfosten. Das erzielte Tor
in der 11. Minute durch Bianca Schmidt zählte wegen eines Fouls an der Torwartfrau
nicht. Freiburg konnte bei den Pfostentreffern mithalten, aber auch bei Bällen,
die zeitlupenartig an der Torlinie entlangkullern, ohne dabei den leichten Dreh
nach innen zu bekommen. Auf gefühlte sieben Torchancen kam Freiburg, die
teilweise durch starke Schmitz-Paraden abgewehrt wurden. Das klingt alles nach
einem spannenden Schlagabtausch.

Den hat sie (Foto: sas)

War es aber
nicht!

Einige
Turbinefans resümierten am Ende der 1. Halbzeit, dass das Hotel toll war – und das
Essen – und die Zimmerparty usw., um die Mühsal ihrer weiten Anreise zu
legitmieren.

Das Schönste
an der ersten Halbzeit war der Zug. Nicht irgendein Spielzug, sondern alle
20-30 Minuten fuhr längsseitig zum Stadion ein Regionalexpress der Marke RE 1
vorbei – und einer von diesen hupte beim Anblick des Spiels im Vorbeifahren.

Und das Schönste
an der Halbzeitpause, das weder der Kinderchor trällerte noch Pausenmusik über
die Lautsprecher ertönte. Dafür packte ein Turbinefans aus der Region eine Lautsprecherbox
aus und ließ die „Turbine-Hymnen-Album“ lauthals abspielen. Das blaue Volk sang
polyphon mit und feierte ab.

Die zweite Halbzeit

Die
Turbinefans blieben optimistisch und hofften auf eine bessere zweite Halbzeit.
Und diese begann tatsächlich in einem höheren Tempo und stärkeren Zweikampfverhalten.
Die Anzahl der unselig machenden Fehlpässe verringerte sich – aber dann foulte
Feli Rauch eine Gegenspielerin im Strafraum. Die Schiedsrichterin, die insgesamt
mehr Unmut bei den Freiburger Fans als bei den Turbinefans verursachte, zeigte rigoros
auf den Elfmeterpunkt. Sharon Beck verwandelte diesen sicher – und der
Kinderchor kreischte.

Der Elfer ist bereits drin (Foto: sas)

Na und – die Antwort folgt in drei Minuten (Foto: sas)

Drei Minuten
später wiederholte sich diese Szene in ähnlicher Form auf der gegnerischen
Seite. Anna Gasper kam im Strafraum zu Fall und Feli Rauch wollte etwas wieder
gut machen. Sie zog knallhart ab – und der Schuss saß. 1:1 in der 60. Minute.
Nun war die Partie wieder offen, und Potsdam zog die Zügel etwas straffer als Freiburg
– und der Kinderchor wimmerte.

Der Elfer wird gleich drin sein (Foto: sas)

Jetzt hatte
sich die lange Anreise auch aus Sicht der Turbinefans gelohnt. Die Spannung
stieg, die Hektik wurde etwas größer und die Emotionswelle schwoll an – nur der
Kinderchor verebbte.

Von Rot umgeben (Foto: sas)

Torchancen
auf beiden Seiten, Freistöße auf beiden Seiten, gelbe Karten mehr auf Seiten
der Potsdamerinnen – und dann wurde in der 81. Minute Lara Prašnikar eingewechselt. „Prašnikar“ heißt auf Deutsch „Prachtexemplar“,
jedenfalls könnte man das annehmen, als man ihren genialen Torschuss und -treffer
in der 85. Minute beobachtete. Unglaublich – aber wahr!  Jetzt kreischten die Turbinefans – und der
Kinderchor schluchzte.

Kuckuck! (Foto: sas)

Ganz
bescheiden reagierte Lara Prasnikar später am Mannschaftsbus auf die Glückwünsche
der Fans.

Nach einer
spannenden Endphase endete das Spiel mit einem sich hübsch anfühlenden
Auswärtssieg – der letzte war schon etwas länger her… Und der Platz 3 wurde
zwei Stunden später auch erreicht, als Rölfl gegen Essen in der 90. Minute doch
noch den Ausgleichstreffer für Bayern erzielte. Die bayrische Mission war
natürlich nicht der zweite Tabellenplatz im Kampf um die Meisterschaft…

Resümee

Der
Wochenendausflug nach Freiburg hatte sich rundum gelohnt. Trotz Nebelkälte, phasenweisem
Schneetreiben und Nieselregen. Die Menschen, die Stadt und das Spiel – waren einfach
eine Reise wert. Mehrere Male wünschten verschiedene Freiburger Zuschauer_innen
der „Reisegruppe Blau“ eine gute Heimfahrt. Es gab sogar Fans, die den Turbinefans
per Handschlag zum Sieg gratulierten.

Warten am Fanbus (Foto: Reisegruppe Blau)

Ein halbes
Stündchen vor Mitternacht erreichte die „Reisegruppe Blau“ wieder die Heimat,
gesättigt mit Torte, Wienern und Restbouletten. Vielen Dank dem Kleinbusfahrer
Peter, dem „Reisebüro Martens“ und der Reiseleiterin Alina. Ohne diese gäbe es
keine Turbine-Familie.

Reisegruppe Blau vor dem Freiburger Münster – Querformat geht auch… (Foro: Reisegruppe Blau)

Text: Susanne Lepke

Fotos: Saskia Nafe (sas), Reisegruppe
Blau




Wieder mal fünf – diesmal für uns

Spielbericht zum
Bundesligaspiel 1. FFC Turbine Potsdam gegen Werder Bremen am 24.03.2019

Heimspiel im „Karli“ – und die Frauenfußball-Liebhaber_innen
strömten – trotz der „Doppelklatsche“ der vorangegangenen Woche (0:4 im
DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg und 0:5 gegen FC Bayern München). Knapp 1.500
Zuschauende gesellten sich ins heimische Stadion und sollten die Sonne sehen,
auch wenn diese kurz nach dem Anpfiff hinter den Wolken verschwand. Sie sollte
trotzdem unentwegt weiter scheinen …

Vorbilder für kleine Jungs

Anstoß für Werder Bremen, das Spiel gegen den Zehntplatzierten
der Tabelle begann. Doch nach genau 16 Sekunden erlangten die Torbienen erstmals
den Ball und gaben diesen danach kaum wieder her. Von Beginn an erspielten sich
die Gastgeberinnen eine Torchance nach der anderen, es mangelte nur an der
Vervollkommnung. Nach 20 Minuten stand es immer noch 0:0, das gab Hoffnung;-)

Als Tori Schwalm nach knapp einer halben Stunde im Strafraum
arg ausgebremst wurde, verweigerte die Schiedsrichterin den straffen Fingerzeig
auf den Elfmeterpunkt. (Nach dem Spiel soll sie sich für diese Fehlentscheidung
entschuldigt haben.)

Elfmeterpunkt-Behandlung

Aber Gerechtigkeit siegt! Gina Chmielinski trat als Richterin auf und wendete das Blatt zum Guten, indem sie genau eine Minute später nach einem Freistoß von Feli Rauch und der Mithilfe von Amanda Ilestedt zum 1:0 einnetzte. Endlich konnten die Fans mal wieder an einer Torjubelszene teilhaben. Das tat der leidgeprüften Fanseele gut!

Toschützinnen unter sich

Und es ging munter weiter. Bremen hielt mit und hatte in den
folgenden Minuten den Ausgleichs-treffer auf dem Fuß, jedoch zeigte sich die
wiederholt im Tor stehende Vanessa Fischer hellwach. Und dann trat Feli Rauch
den nächsten Freistoß und fand in Jojo Elsig eine dankbare Abnehmerin: 2:0!
Schon wieder ein Torjubel und schon wieder durfte die Blockfahne im Block C
ausgerollt werden.

Torjubel

Mit diesem Halbzeitstand ging es in die Pause. Und um die
gute-Laune-Stimmung noch weiter zu heben, fand zum zweiten Mal ein kleiner
Wettbewerb für die Fans statt. Wer schaffte es wohl diesmal, an der am Anstoßpunkt
platzierten Allianz-Fahne anzudoggen? Fan
Frank (FF – wie Frauenfußball;-) oder
Fangirl Dagi? Das weibliche Wesen zog trotz des Frauenfußball-Events den Kürzeren,
aber bei diesem kleinen Ball-Wettbewerb gibt es nur Sieger_innen. Als Preise
gab es ein Trikot bzw. handsignierte Fußballschuhe – und alles strahlte.

Glückseligkeit nach dem all-Wettbewerb

Quietschvergnügt ging es in die zweite Halbzeit. Freistoß
reihte sich an Freistoß, Eckball an Eckball und Torchance an Torchance (u.a. durch
Huth und Schmidt). Aber dann kam Tori Schwalm angeflitzt, die einen hübschen
Pass von Svenja Huth zum 3:0 verwandelte. Also wieder gejubelt, wieder die
Blockfahne entfaltet und wieder Olé-olé gesungen. Wobei an dieser Stelle auch erwähnt
werden sollte, dass die ungefähr 10-Mann/Frau-starke Bremer Fantruppe Spaß
hatte und ihre „Wiesenhof-Garde“ unentwegt und humorvoll anfeuerte.

Bremer Humortruppe

In der 70. Minute kam es zu einer Spielunterbrechung, da die
Bremerin Sofia Nati behandelt und am Ende ausgewechselt werden musste. Im
Nachhinein stellte sich heraus, dass sie sich einen Kreuzbandriss zugezogen hatte.
Wir wünschen ihr an dieser Stelle einen optimalen Genesungserfolg und viel
Geduld und Zuversicht, was die langwierige Heilung betrifft.

Anschließend folgte die Wiederholung des „Dreizunulls“, aber
nicht auf der Leinwand, sondern live im Karli, indem diesmal Anna Gasper im
Strafraum ein Zuckerpässchen auf Tori Schwalm spielte und letztere wiederholt
aus der Kurzdistanz einschob. 4:0  –
Jubel, Blockfahne, olé-olé.

I mog di

Kurz danach kam es dann zu einer Dreierauswechslung bei
Potsdam: Chmielinsky, Cahynova und Ilestedt räumten den Rasen, Dieckmann, Prasnikar
und Kiwic durften nun mitspielen.  Alles war
in trockenen Tüchern, nur Feli Rauch hatte noch nicht genug. In der 87. Minute
zirkelte sie einen Freistoß genial ins linke obere Eck, ein begeisterndes Tor!

Gewitztes Lächeln in der 87. Minute

Also wieder Torjubel und Blockfahne entrollt und olé-olé-Gesänge.

Ein neuer Stil entpuppte sich in Potsdam: Fünfe müssen es
sein – entweder gegen uns oder für uns…

Als beste Spielerin wurde nach dem Schlusspfiff Tori Schwalm
gekürt – verdient. Ihr kurzes Interview ins Stadionmikrofon verlautete, dass
dieser Sieg dem Selbstvertrauen diene und sehr wichtig für die Mannschaft sei. „Auch
für uns!“, meinten die leidgeprüften Fans daraufhin spontan.

Ehre, wem Ehre gebührt!

Es war schön, sich mal wieder richtigen Fußball angucken zu
dürfen. Natürlich spielt es sich gegen einen Zehntplatzierten einfacher als
gegen die uneinholbaren Tabellenführenden Bayern und Wolfsburg. Aber auch gegen
schwächere hat sich Potsdam in der Vergangenheit immer wieder mal schwer getan.

Der Auftritt an diesem Spielsonntag war jedoch souverän und
beruhigte die kritisch-aufgebrachte Fanseele. Schauen wir weiter, was die nächsten
Spiele bringen. Erst in einem Monat wird wieder wegen der
Länderspiel-Abstellungsphase im „Karli“ Fußball gespielt.

Steht auf, wenn ihr Turbinen seid!

Aber wenn es am 14. April ins weit entfernte Freiburg geht,
werden auch dorthin wieder einige treue „Turbine-Groupies“ reisen und mit aller
Leidenschaft (Betonung auf „schaft“ und nicht „Leiden“) das Spiel verfolgen.

Auf Händen getragen (Siems scheint genesen zu sein)

Text: Susanne Lepke

Fotos: Saskia Nafe